News I

29. Mai 2007 / Th

In den letzten Tagen hatten wir sehr unterschiedliche Winde, konnten aber immer segeln. Seit heute morgen haben wir praktisch keinen Wind mehr und laufen daher unter fossilem Brennstoff. In knapp 50 Meilen erreichen wir Bab el Mandeb (Tor der Tränen), die schmalste Stelle am südlichen Ende des Roten Meeres. Das Meer ist dort nur knapp 20km breit. Von dort aus geht es dann Richtung Osten nach Aden.
Gestern gab es zur Abwechslung mal keinen Fisch (nicht weil wir keinen erwischt haben sondern weil wir keine Lust auf Fisch hatten). Wahrscheinlich holen wir heute wieder einen raus.
Sonst gibt es nicht viel zu berichten.
Unter der neuen Rubrik Spezial ist mein ausführlicher Bericht über den Suezkanal zu finden.
Neue Fotos gibt es sobald wir mal wieder in einem Internetcafe sind.

 

26. Mai 2007 / Th

3 Tage lagen wir vor der Insel Shumma. Die Insel ist unbewohnt von Menschen. Sie ist ca. 4 mal 1.5 km gross und flach wie eine Flunder. Rings um die Insel ist ein Korallenriff, in dem man herrlich schnorcheln und tauchen kann. Man fährt mit dem Schlauchboot 10 Minuten und steht dann auf einer Sandbank mit weissem Sand mitten in den Korallenblöcken im knie- bis hüfttiefem türkisblauen Wasser. Mit ein paar Schwimmzügen ist man über dem Riff. Dort 10 bis 15 Meter tiefes Wasser, man sieht problemlos bis auf den Grund. Gesehen haben wir: Rochen, Riesenmuräne, Schildkröte, Korallen, kleine Fische, grosse Fische, Barakudas, gelbe, rote, schwarze, blaue und grüne Fische und vieles mehr.
Heute morgen sind wir dann schweren Herzens aufgebrochen Richtung Aden. Leider hatten wir keinen Wind. Darum liegen wir wieder vor einer Insel und grillen jetzt dann den frische gefangenen Barakuda.

 

22. Mai 2007 / Th

Am Morgen nach der Ankunft sind wir alle mit dem Dingi an Land gegangen um den Papierkram zu erledigen. Alle waren sehr nett und nach ein paar verschiedenen Stellen war alles erledigt. Danach ging es in die Stadt, wobei man sich das in etwa so vorstellen muss:
Massawa wird von zwei Inseln gebildet. Die sind untereinander und mit dem Festland durch zwei Dämme verbunden. Die meisten Strassen sind unbefestigt. Man sieht noch viele zerschossene Häuser vom Krieg her. Die Leute kochen auf kleinen Kohlekochern vor den Häusern. Jedes dritte Haus ist ein Laden oder eine Beiz/Bar. Es gibt überall in etwa das selbe zu kaufen (Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln, Lemonen, Kürbis, Papaja und Grundnahrungsmittel ausser Milchprodukte und Brot). Brot ist rationiert. Man bekommt es nur in Restaurants.
Als erstes gingen wir zu Winni, welche Klaus und Charles am Abend vorher kennengelernt hatten. Sie hat auch einen kleinen Laden und hat uns zu einer Kaffeezeremonie eingeladen. Dabei wird der Kaffee zuerst geröstet, dann im Mörser zerstampft und zum Schluss mit viel Tamm Tamm gebrüht. Dann gibt es noch fein duftenden Rauch und am Schluss tatsächlich Kaffee mit viel Zucker.
Alsdann machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden und stiessen bald auf einen jungen Mann, der sehr gut deutsch sprach. Er hat uns sehr viel erzählt und seine Hilfe angboten.
Wir machten uns dann auf die Suche nach dem Tourismusministerium, um eine Travel Permit für den Ausflug nach Asmara zu bekommen. Das war dann relativ aufwändig, da es noch einen Stempel vom Sicherheitschef brauchte, und der war halt grad nicht da. Am andern Morgen um halb zwölf hatten wir dann unsere Genehmigungen und es ging los mit dem Bus nach der Hauptstadt von Eritrea.
Asmara liegt etwa 100 km von Massawa entfernt auf 2300 Meter über Meer. Die Busfahrt dauert alles in allem ca. vier Stunden. Asmara wurde zur Zeit der italienischen Kolonialzeit erbaut und erinnert stark an italienische Städte, nur dass die Leute halt dunkelhäutig sind. Das Klima in Asmara ist, im Gegensatz zu Massawa wo es sehr heiss und feucht ist, richtig angenehm. Die Stadt ist voller Leben und man merkt wenig von der Armut im Land.
Wir haben in einer schönen, alten Pension übernachtet und zum Abendessen gemischten Salat und Pizza gegessen, eritreischen Wein getrunken und einen feinen Espresso zum Abschluss genommen.
Am andern Tag haben wir die Stadt erkundet, den Markt besucht, den Turm der Kathedrale erstiegen und uns an feinem Kaffee und frischen Fruchsäften gelabt. Am Abend gings dann zurück nach Massawa.
Dort hatten wir zwei Wissenschaftler (einen Franzosen und einen Engländer) kennengelernt, die für ein UNO Projekt arbeiten. Von ihnen haben wir vieles über Eritrea erfahren.
Die restliche Zeit haben wir damit verbracht, Proviant für die Weiterreise zu organsieren, die Wäsche waschen zu lassen, Wasser zu besorgen, und so weiter.
Julia und ich waren noch einen halben Tag tauchen, so als Refresher.
Eines Abends haben wir dann in einem Restaurant Shrimps gegessen, drei Riesenteller voll, schon geschält, mit frischem Fladenbrot und zu einem sehr günstigen Preis. Es war so gut, dass wir am nächsten Abend grad nocheinmal hingingen und das selbe bestellten, diesmal mit zwei Flaschen kretischem Weisswein (hatten wir natürlich selber mitgebracht).

Hier noch ein paar Fakten zu Eritrea:

  • die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit
  • trotz Armut muss man keine Angst haben, bestohlen zu werden
  • Brot und Diesel sind rationiert
  • Benzin ist sehr teuer (ca. CHF 3.10 pro Liter)
  • Coca Cola ist sehr teuer (ca. CHF 4.00 pro Liter)

Gestern morgen sind wir dann in See gestochen und liegen jetzt vor einer Insel im Dahlak Archipel. Das Wasser hat alle Farben von blau bis türkis. Man kann direkt vom Schiff auf schnorcheln gehen. Das Wasser ist leider nicht so schön klar.
Zum Nachtessen gestern gab es, Cous Cous, Kürbis, Kichererbsen und Fisch vom Grill (wir hatten eine wunderschöne und äusserst delikate Makrele gefangen).
Wir vertreiben uns hier die Zeit mit baden, schnorcheln, essen und schlafen.
Wir haben uns entschlossen, als nächste Station Aden in Jemen anzulaufen.

 

15. Mai 2007 / Ju

Eigentlich sind wir ja, abgesehen von den zwei ersten Tagen, sehr schnell unterwegs gewesen und seit nun heute früh die Küste von Eritrea sichtbar, die Meilen, bzw. Stunden abzählbar und im Landschatten der Seegang trotz 5 Knoten so ruhig wie auf Schienen ist, hat sich auch meine Laune wieder deutlich gebessert. In mein Tagebuch habe ich aber schon geschrieben: "Die langen Segelstrecken muss ich erdauern, erleiden, ertragen (lernen)." Dies, obwohl ich als einzige keine gesundheitlichen Beschwerden hatte. Die andern haben übrigens wieder Appetit. Was auch gut ist, denn: Heute haben wir innert ca. 4 Stunden, auf der WAHOO schaut man ja nicht mehr so auf die Uhr, 3 Fische reingeholt. Soviel können wir gar nicht selber in nützlicher Frist essen, aber als Geschenk in Massawa gemäss Klaus immer gut zu gebrauchen. Den 80 cm Thunfisch habe ich zum ersten Mal eigenhändig und ganz allein ausgenommen und filetiert. Die andern beiden lassen sich nicht genau bestimmen. Irgendwie haben sie schon Ähnlichkeit mit Barrakuda, aber Klaus ist sich nicht sicher. Jedenfalls ist der Kühlschrank mit geschätzten 10 kg nun übervoll.
Das Wasser hat 30 Grad. Hier unten beim Schreiben läuft der Schweiss nur so runter. Der Gegensatz zu Griechenland ist frappant. Da hatte ich, die drei Männer waren natürlich weniger gfrörlig, 5 bis max. 7 Schichten + Kapuzenpullikapuze und Stirnband und Handschuhe oben und unten lange U-Hosen und Jeans und dicke Socken an! Jetzt tragen wir nachts auf Ruderwache dieselben wenigen Klamotten wie tagsüber und empfinden es als wenigstens ein bisschen erfrischend.
Ankunft in Massawa um 17 Uhr. Wir sind die einzige Jacht weit und breit. Der Ankerplatz ist aber ziemlich weit vom Land entfernt. Wir haben spezielle Vögel gesehen: Ibisse, grosse Seeschwalben, möglicherweise Pelikan und Geier.
 

13. Mai 2007 / Th

Der Nordwind hält an, wir kommen sehr gut voran (6-7 Kn). Wir sind jetzt etwa bei 20° Nord, nordöstlich von Port Sudan.
Alle ausser Julia haben Durchfall, die Ursache ist bis jetzt unbekannt.
Wir merken, dass es ziemlich streng ist, so lange auf dem Meer zu sein, es schaukelt ständig und man kann nicht allzuviel unternehmen. Die Moral der Truppe ist daher zur Zeit nicht auf dem Höchststand, aber das wird sich wieder einpendeln. Wir freuen uns auf Eritrea, die (hoffentlich immer noch) unberührte Inselwelt, weisse Sandstrände, Lagunen und Langusten.
 

12. Mai 2007 / Th

Am Mittwoch, 9.5., sind wir von Port Ghalib gestartet und haben einiges erlebt:
Port Ghalib ist eine Marina mit Platz für 500 Boote. Entsprechend haben sie die ganze Koordination sehr genau gregelt. Wenn man sich im Hafen bewegen will, muss man den Tower über Funk kontaktieren (Port Control, Port Control, this is Sailing Boat WAHOO, over ...). Das Problem ist, dass sich vor allem auch die Tauchboote nicht daran halten. In unserem Fall hat sich Port Control trotz mehreren Versuchen nicht gemeldet und so sind wir ohne 'Ready for take off' losgefahren. Beim Eingang zum Hafen gibt es drei Anlegestellen. Wir wurden angewiesen (der Controller hat von seinem Kontrollturm heruntergebrüllt) da anzulegen, dann wieder dort, dann wieder doch da. Dann wurde es kurz hektisch, weil eine amerikanische Yacht mitten am Peer lag, so dass wir nicht festmachen konnten.
Als wir dann festgemacht hatten, konnte Klaus den Papierkram erledigen und bezahlen. Dann wurden wir angewiesen, mit dem Schiff in die Emigration Zone zu wechseln und diese auf keinen Fall mehr zu verlassen. So bald dies geschehen sei, würde jemand mit unseren Pässen an den Flughafen fahren und die entsprechenden Stempel für die Ausreise einholen. Das Emigration Office hätte aber erst um 9 Uhr geöffnet und vor 10 Uhr würden die eh nichts machen.
Nach gut vier Stunden war es dann soweit: wir hatten unsere Pässe und die Schiffspapiere wieder und konnten in See stechen.
Mitten in der Hafeneinfahrt haben wir die Segel gesetzt und sind mit nördlichem Wind losgesegelt. Bald hat der Wind nachgelassen und wir sind unter Motor weitergefahren. Gegen Morgen gab es wieder ein wenig Wind, dann war er wieder weg; wieder Motor. Am Donnerstag morgen kam dann Südwind auf, wurde immer stärker, bis 30 Knoten. Wir haben tapfer, aber mit wenig Erfolg den ganzen Tag aufgekreuzt. In der Nacht haben wir beigedreht (die beiden Segel werden so gestellt, dass sich die beiden Kräfte praktisch aufheben und das Schiff mehr oder weniger an Ort bleibt) und die ganze Mannschaft wurde in die Koje geschickt. Am Morgen, oh Schreck, waren wir 21 Meilen nach Nordosten abgetrieben.
Gestern Morgen hatten wir dann endlich Nordwind, anhaltend bis jetzt.
Wir haben dann festgestellt, dass der Wellengenerator keinen Strom mehr liefert. Ich habe alles ausgemessen, aber keinen Fehler gefunden. Also habe ich dass Teil ausgebaut und zerlegt: einer der Schleifringe des Rotors war durchgeschliffen. Darum habe ich den Ersatzgenerator eingebaut und angeschlossen. Das alles im Maschinenraum unter ziemlichem Schaukeln und erdrückenden Temperaturen. Jetzt haben wir wieder genügend Strom.
Vorgestern haben wir den neuen Tieftauchrapala (Fischköder) rausgelassen. In der Dämmerung hat ein Riesenteil angebissen. Nach kurzem Kampf zwischen Fisch und Kapitän ist die Angelschnur gerissen (vermutlich Altersschwäche). Minus ein Rapala. Heute morgen hat wieder ein Riesenteil angebissen und hat sich dann losgerissen (der Angelhaken war verbogen). Heute gegen Mittag haben wir dann einen kleinen Barrakuda (58cm) gefangen (ist sicher im Frigo ;-). Gegen Abend haben wir nochmals einen Barrakuda herausgezogen (64cm). So gab es zum Nachtessen Reis mit Barrakudastücken.
Nachdem der Ratz ja unser Schiff mehr oder weniger freiwillig verlassen hat, haben wir seit neuestem eine kleine Maus an Bord. Die Schäden sind evtl. geringer, nicht aber unser Aufwand und Ärger.
Wir sind z.Z. etwa bei 32° Nord, östlich des Sudans. Noch 420 Meilen bis Massawa.
 

8. Mai 2007 / Th / Ju

Mit Hilfe des Motores und dann wieder des Windes haben wir heute morgen früh die Marina in Port Ghalib erreicht. Da haben sie offenbar mitten in der Wüste eine kleine Stadt hingebaut und dazu mit einer Marina für (gemäss Prospekt) 500 Schiffe. Das Ganze ist mal wieder eine Riesenbaustelle: die Marina wird ausgebaut für 1000 Schiffe. Effektiv hier sind etwa 30 Schiffe. Duschen und WCs haben sie noch nicht gebaut. Vielleicht wird das bis in 5 Jahren der nächste Boomtouristenort in diesem Land, nachdem ja die meisten anderen wie Sharm, Hurgada etc. völlig überlaufen und nicht mehr wirklich attraktiv sind.
Angrenzend an die Marina ist ein grosses Hotel mit Pools und allem und da haben Julia und ich ein wenig herumgelümmelt. Das sehr schön gestaltete Hotel (nicht quasi-Ethno und überladen kitschig, sondern mit vielen Erdtönen und sogar Naturmaterialien) ist praktisch leer und für einen Spezialpreis von 5 Euro durften wir die Poolanlage benutzen. Da haben wir dann mal, das erste Mal überhaupt!!, ein paar Stunden einfach nur relaxt.
Es gibt irgendwo einen Supermarkt, der habe alles ausser das, was man brauche, teilte uns die Crew eines kanadischen Schiffes, welches seit 3 Wochen hier auf Motorersatzteile wartet, mit. Im Hotel konnten wir dann aber unsere Vorräte aufstocken. Und am Abend haben wir uns für zwar viel Geld, aber auch viel Genuss am Hotelbuffet verköstigt.
Morgen starten wir zur nächsten Etappe, welche uns nach ca. 670 Meilen nach Massawa in Eritrea bringt. Wir rechnen mit ca. 5 Tagen dafür (=120 Stunden).
 

7. Mai 2007 / Th / Ju

Seit vorgestern abend sind wir nun unterwegs von Port Suez nach Port Ghalib (25° 32' N / 34° 38.71' E), der südlichsten Möglichkeit um in Ägypten auszuklarieren.
Am Samstag Nacht ging unser ungebetener Gast - die Ratte - in die Falle. Somit war dieses Problem gelöst. Die ganze Schweinerei musste natürlich noch geputzt werden.
Zum Einkaufen haben wir uns nochmals in die Stadt begeben und haben dabei den Gemüsemarkt entdeckt. Das war wirklich ein Erlebnis. Wir hatten in der ganzen Stadt nur 3 Touristen gesehen (bei einer Geldbank) und auf diesem Markt waren wir mit Abstand die Komischsten und auch Leisesten. Natürlich wollten wir Frischgemüse kaufen, haben es auch getan. Aber wir haben auch fotografiert, natürlich immer mit vorher fragen. Einzelne wenige wollten nicht, oder nicht beim ersten Mal Fragen, v.a. Frauen. Andere drängten sich fast auf und ein paar Knaben folgten uns die ganze Zeit und brachten immer neue Kumpels, welche auch auf ein Bild wollten. Zum Glück wussten sie nicht, dass man alle Fotos auch gleich anschauen könnte und merkten sie nicht, dass der Auslöser manchmal nur zum Schein gedrückt wurde. Dabei und auch auf der Suche nach dem Konverter haben wir wieder die Erfahrung der grossen Gastfreundschaft der Ägypter machen dürfen. Du fragst irgendwo jemanden und dann findet sich sicher gleich einer, der mit Englisch weiterhilft und uns ganze Strassenzüge mitbegleitet, um uns einen Ort oder ein vermutetes Geschäft zu zeigen.
Zurück auf dem Schiff ging es noch darum, unseren, von der Ankeraktion in Kreta in Mitleidenschaft gezogenen Propeller für den Aussenborder wieder zu bekommen. Wir hatten ihn dem Manager der Marina gegeben, welcher versprochen hatte, uns einen neuen zu besorgen. Nach mehreren Telefonanrufen war dann klar, dass kein Ersatzpropeller aufzutreiben war, dass aber einer aus Aluminum gegossen werden würde. Preis und Termin liessen sich nur sehr vage in Erfahrung bringen und so beschlossen wir, auf den neuen Propeller zu verzichten und den alten weiterzuverwenden. Nachdem wir den alten wieder bekommen hatten, machten wir uns auf den Weg.
Zuerst ging es mit nördlichen Winden in flottem Tempo durch den Golf von Suez. Da hatte es ziemlich viele Schiffe, welche aber nur in einer speziellen Zone fahren dürfen. Da wir ausserhalb dieser Zone fahren konnten, gab es da keine Konflikte. Weiter hat es viele Einrichtungen für die Ölförderung, welche überall herumstehen (das Meer ist nur 50-70m tief).
Heute morgen um 1 Uhr haben wir dann den Golf verlassen und dabei mussten wir die Schifffahrtsstrasse kreuzen. Das war ein wenig heikel, verlief aber auch problemlos.
Im Laufe des heutigen Tages hat der Wind immer mehr nachgelassen und jetzt (20 Uhr) dümpeln wir ca. 40 Meilen vor Port Ghalib dahin.
Fische haben wir im Roten Meer noch keine gefangen, dafür haben wir heute ein Rudel Delfine (Tümmler) gesehen, welches um unser Schiff herumgeschwommen ist.
Das Wasser ist jetzt schön warm, so dass man gut im Meer baden kann. Während dem Segeln steigt man dazu auf die Badeplattform am Heck des Schiffes und lässt sich an der Leiter mitziehen.
 

4. Mai 2007 / Ju

Die gestrige Passage des 2. Teils des Suezkanals ist auch schon vorbei. Diesmal war der Lotse nett, kompetent und viel offener und auch interessierter als der erste. Zum einen hat er sich die Schuhe ausgezogen (was man auf einem fremden Schiff IMMER machen soll), zum andern hat ER uns Schoggiriegel mitgebracht. An Bord hat er zweimal seine Gebete verrichtet, aber auch nichts dagegen gehabt, dass auch ich, in vollständigem Bikini natürlich, ein Bad im Suez genommen habe. Denn es war heiss! Wir hatten die ganze Zeit Südwind direkt auf die Nase, aber den muss man sich wie in einem warmem Föhn vorstellen. Null Erleichterung. Und Thomas hat unter Deck an der Installation des Wassermachers weitergearbeitet, ich war für 2 Stunden mit der Zubereitung einer Lasagne - ausgezeichnet! - beschäftigt gewesen: beides äusserst schweisstreibend. Deshalb der Wunsch nach einer kurzen Abkühlung im Wasser. Schon am Vortag war der Himmel von braun-grauen Wolken bedeckt und die Sicht ganz diesig gewesen. Offensichtlich war Wüstenstaub in der Luft. Dazu gab es auch Donnergrollen, ein paar Blitze und 10 Tropfen Regen.

Diese Verhältnisse machten die Landschaft mit Farben und Stimmung zu etwas Besonderem. Stellt es euch vor wie Nebel bei uns, Sicht z.T. nur 500m, aber statt grau halt eben gelbbraun. Vage Gestalten und schemenhafte Umrisse auf der andern Kanalseite: Schiffe oder Bauten? Leider lässt sich so etwas nicht auf Foto bannen.

Ankunft in Port Suez bei Dunkelheit. Ein kleines Motorboot der Marina führt uns zu den 2 grossen Bojen, an denen wir festmachen (statt frei zu ankern) sollen. Das Boot hat aber kein Licht und ist somit von hinten, vom Steuercockpit aus nur schwer zu erkennen. "Zwischen den 2 Yachten durch und mehr backbord!" Okay, sicher befestigt, Schiff klariert und zu Lasagne und Perla Nera, gutem Rotwein aus unserm Weinbunker aus Bar, gewechselt.

Nachdem wir  wechselweise hinten mit Waschlappen rumgepflädert, bzw. mit unserer Kanisterdusche den Schweiss und Staub abgewaschen haben, kam 'unerwarteterweise' das Bedürfnis nach einem guten 'Abrunder' in Form von Grappa (CH), Loza (MNR) oder Metaxa (GR) auf ...

Getrunken wurde dann keiner, denn ich fand kleine, schwarze 'Gägeli' auf einer Espressotasse! ?! Nach einem angeknabberten Biscuit tagsüber, das sich noch auf einen Zweibeiner zurückführen liess, nun der untrügliche Beweis für einen vierbeinigen Mitbewohner mit langem Schwanz. Maus oder Ratte, oder gar die Mehrzahl davon auf einem Schiff mit so vielen Schlupflöchern ist nach einem Brand die zweitgrösste Katastrophe. Die Viecher fressen alles (an), Kabel, Polster, Plastik und sicher auch unsere Vorräte. Klaus hat in Bar schon mal 2 Wochen vertan um die Schäden einer Überwinterungsratte zu beheben. Lange Gesichter: wo kam das Vieh an Bord, wie finden, bzw. fangen und vernichten wir die? Wieviel Zeit wird uns das kosten? Finden wir hier in Ägypten Rattenbekämpfungsmittel der effizienten Art? Jedenfalls wurde die Prioritätenliste für morgen (=heute), nämlich Propeller  für Dingi, Konverter, Kohlebürsten, Schlauch T-Stück, Benzin für den Tauchkompressor, Litze und Sicherungen um eine Position nach hinten verschoben.

Geschlafen haben dennoch alle gut, ohne Nagerträume. Obwohl vom nahen Ufer laute Musik rüberwehte von 1. der Hochzeit (die Glitzerbraut war mit Feldstecher zu beobachten. Brautkleider, die jedes Barbieherz höher schlagen lassen, habe ich in Schaufenstern gesehen) und 2. von der Strandpromenade, bin ich sofort eingeschlafen. Thomas und ich hatten etwas 4-5 Stunden Schlaf von der Vornacht. Wir mussten ja noch Brot und Gemüse einkaufen gehen und hatten dann um Mitternacht in der Marina in Ismailia auch noch einen Kaffee getrunken. Charles ist erst um 2 Uhr früh von seinem Ausflug nach Kairo zurückgekommen und am Morgen war früh Tagwacht, damit wir beim Erscheinen des Piloten dann auch bereit waren. Bei seinem 5-wöchigen Velotrip dem Nil und den Pyramiden nach hatte Charles  Abdou el Rahman  kennengelernt, hatte dann 10 Tage bei ihm gewohnt und eine gewisse Zeit lang Briefkontakt. Seine Telefonnummer nun haben wir per Telefonauskunft tatsächlich herausfinden können, er war dann auch zuhause und so hat Charles ihn nach 15 Jahren wieder in Gizeh besucht.

Also zum heutigen Tag: Im Morgengrauen hat Charles die Ratte dann mit eigenen Augen gesehen und wir fanden auch weitere Fress- und Ausscheidungsspuren. Thomas und Klaus sind mit dem Dingi zur Marina um die Besorgungsliste abzuarbeiten. Allerdings sind sie nach 6m wieder umgekehrt, mit Ruder. Der Dingimotor bringt ohne Propeller gar nichts! Weil er bei der Ankerbergungaktion auf Kreta beschädigt wurde, sollten wir einen neuen haben und er war deshalb abmontiert. Da hatten wir alle was zum Lachen! Da heute aber Freitag ist, sind die meisten Geschäfte natürlich geschlossen. Aber mit einer grossen Mäusefalle und Rattenkleber sind sie zurückgekommen. Währenddem haben Charles und ich alle Vorratsschränke ausgeräumt, die Spuren beseitigt und was immer möglich in die noch vorhandenen Gläser abgefüllt. Angefressen waren Schokolade, Ebly, Getreideriegel, Schwarztee, Nudeln, Kürbiskerne, Tortellini. Mega-Frust. Auf einem Schiff kann sich die Ratte beliebig verkriechen und durch Lüftungsschlitze und Kabelkanäle kommt sie überall hin. Dieselbe Geschichte - ausräumen, putzen, retten, was zu retten ist, einräumen - wird sich nun wiederholen, bis wir sie haben!  Auch ein Auslaufen ist mit einer Ratte an Bord nicht möglich. Plackerei und Ärger....

 

2. Mai 2007 / Th


Wir sind zur Zeit in Ismailia, in der Mitte des Suezkanals. Morgen geht es weiter ins Rote Meer.
Die ersten Bilder findet ihr in der Rubrik Bilder.

 

30. April 2007 / Ju

Nun liegen wir in Ismailia in der recht günstigen Marina. Die Kosten erwähne ich deshalb, weil die Kanaldurchfahrt mit allem Drum und Dran, und da gibt es unglaublich viel Drum und Dran, wie z.B. $10 für Quarantäne ... , natürlich die Bakshish nicht zu vergessen :-( , uns $945 kostete. Das sind fast sfr. 1200!! Die Durchfahrt selber wird Thomas sicher beschreiben ...

Die Temperaturen scheinen sich denen in der Schweiz angepasst zu haben ;-) ! In Ägypten nun habe ich endlich keine Socken mehr tragen müssen und  die Wolldecke ist provisorisch versorgt. Wir meiden sogar schon die Sonne und suchen eher den Schatten. Barfuss auf Deck kann ich schon fast nicht mehr gehen.

Ein Ruhetag sieht so aus - falls es dann auch so wie geplant vonstatten geht: Schiff klarieren = putzen, aufräumen, Abfall entsorgen, waschen, anstehende Kleinigkeiten flicken oder optimieren, Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel erkunden und dann zuschlagen. Aber auch späteres Aufstehen, Zeit zum Schreiben oder eine Siesta, Duschen und Haare waschen mit Süsswasser, die Wassertanks auffüllen etc. Ein Kaffee an Land oder ein Schwätzchen mit andern "Yachties" sind auch immer erwünscht.

Ismailia: Die Leute auf der Strasse, in den Läden oder auf dem Markt machten mir durchgängig einen sympathischen, offenen  Eindruck. Viele sprechen sehr gut Englisch oder Französisch oder sogar ein paar Brocken Deutsch. Kleine Kinder sieht man fast keine, und wenn, dann sind die Babys eingepackt in Daunen und Käppchen. Zu Charles' Erstaunen hat es keine "quémandeurs", bettelnde, aufdringliche Kinder. Wir wurden natürlich gemustert, manchmal wurde auch hinter uns gekichert, aber es gab sehr freundlichen Augenkontakt oder sogar ein Lächeln. Unser  Anblick ist natürlich eher unüblich: Ich bin nicht die kleine, grazile oder sonst recht runde Frau, die hinter dem Mann hergeht und die Taschen schleppt. Überdies bin ich die CFO (chief finance officer). Dazu die kurzen Haare, der eine Ohrring und das Touristen-outfit generell. Thomas ging bis vor ein paar Tagen noch durchaus als Araber durch (4-Tage Bart, schwarze, wilde  Locken), nun hat er aber seine ersehnte Industriefrisur und hat somit politisch eher die Seiten gewechselt ...!

Bei den Frauen ist an Bekleidung alles zu sehen: 85% tragen einen Schleier, 10% die Burka und vielleicht 5% westlich wie bei uns. Aber natürlich kein bauchfrei oder gar lungenfrei, wie es bei unseren Mädels leider so üblich ist. So eine durch und durch schwarze Burkafrau löst schon etwas Beklemmung aus, v.a. wenn sie neben ihrem unauffällig westlich gekleideten Mann hergeht. Die Kleider sind sehr schön,  reich verziert und der Schleier farblich darauf abgestimmt. Die jüngeren Frauen tragen häufig eine Art Minirock, modisch scheint der Häkelkleidchenlook, oder sogar einen breiten Hüftgürtel - darunter aber natürlich lange Hosen. Sehr oft habe ich auch lange Jeansröcke beobachtet. Natürlich habe ich mir auch eine schön verzierte Bluse gekauft. Das Radebrechen und mimische Verständigen mit den Verkäuferinnen ist herrlich. Leider ist auch hier, dito Montenegro und Griechenland, fast alles made in China, sogar die quasi typisch arabischen Produkte!

Sehr bewährt haben sich meine paar Sprachbrocken in Arabisch. Ein Gruss oder eine kleine Antwort oder Bestellung zaubern sofort ein Lächeln auf ein Gesicht und die Distanziertheit verringert sich gleich. Die Kinder vor allem, auch schon die kleinsten Primarschüler,  wenden ihrerseits ihr Englisch an. "What's your name" ist 1. Lektion, "How old are you" ist die zweite. Als ich mal bei einer Schule auf die Anrede dreier Mädchen eingegangen und stehen geblieben bin, hatte ich gleich eine Traube von Kindern um mich herum, die sich fast nicht mehr einkriegten, weil ich auf quasi Arabisch sagte, wie ich heisse und woher. Von Alt und Jung tönt es "Welcome Egypt" und die Schweiz scheint einen guten Ruf zu haben. Mein "min Swissraa" löst überall ein "very good" aus. Vielleicht ist es aber auch nur das nicht-amerikanische ...Assalamu aleikum.

 

 

27. April 2007 / Th

Heute im Morgengrauen sind wir nach vier Tagen und vier Nächten in Port Said eingelaufen. Wir sind mitten in der Nacht in das Gebiet von Port Said eingefahren und da war ziemlich was los auf dem Meer: Schiffe, die in den Kanal fahren, solche, die herauskommen, das Ganze von Ost über Nord bis West. In der Nacht sieht man nur Lichter und man rätselt, in welche Richtung so ein Schiff wohl fährt. Zwar hat man unter Segel im Prinzip Vortritt. Aber eben nur im Prinzip.

Wir hatten recht guten Wind und mussten nur ein paar Stunden Dieseln. Wir haben dabei 430 Meilen zurückgelegt.

Unterwegs hatten wir oft noch Wellen von Wind, den wir nie gesehen haben. Alle hatten genug vom Schaukeln und Rollen und wir freuen uns auf ein paar ruhigere Tage.

Wir liegen in einem Yachtclub - der zwar auf der Karte eingezeichnet, aber noch nicht fertig gebaut ist - mitten im Hafen von Port Said. Vor unserer Tür ziehen immer wieder grosse Schiffe vorbei, die durch den Suezkanal fahren.

Da heute Freitag (im wörtlichen Sinne) ist, können wir den ganzen Papierkram erst morgen erledigen. Am Sonntag hoffen wir dann die erste Hälfte des Suezkanals durchfahren zu können. Das Schiff wird dabei von einem Lotsen gesteuert. In der Mitte des ca. 190 km langen Kanals ist ein See und dort, in Ismailia, haben wir noch ein paar Tage Rast eingeplant.

 

25. April 2007 / Ju

Der Wind scheint sich vorgestern verausgabt zu haben, seit heute früh müssen wir mit Motor laufen. Wenigstens hat der Wellengang vom Sturm ziemlich aufgehört, jetzt brummt und vibriert dafür der Motor.

Überhaupt darf man sich Segeln nicht als etwas Leises vorstellen: das Sausen vom Wind, das Platschen von Wellen, irgendwelches Gestöhn, Ächzen oder Klirren in Mast und Seilen sind immer hörbar. Wenn es aber etwas heftig tut, wie vorgestern Nacht und gestern in der rollenden Dünung, dann tönt es bei uns vorne, in der Bugkoje, etwa so: Knirschen  vom Mast, Klappern von Metall, Schlagen der Segel, Aufplatschen vom Bug, Vorbeisirren der Wassermassen, Knistern und Spurunkeln im Schiffsrumpf, und dazu aus dem Salon das massive Geklapper von Geschirr, Flaschen und anderem Hausrat in den fest verschlossenen Schränken. Kaputt geht geht dabei nichts! Alles lässt sich fest verschliessen und sonst wird mit Küchentüchern noch etwas gepolstert.

Man soll sich jetzt aber kein falsches Bild machen, denn unter normalen Segelverhältnissen ist das Platschen und Gurgeln des Meeres angenehm. Und das leichte Hin und Her und Auf- und Abgehobenwerden in der Koje ist ein herrliches Einschlafmittel.

Zitat Klaus: "Das war hoffentlich DER Sturm dieser Reise, das war grad ein harter Einstieg und ihr habt euch gut gehalten." Thomas hat schon Zahlen erwähnt: In der Nacht vom 23. auf den 24. haben wir in 22 Stunden 140 Seemeilen gemacht. Die Wellen waren 3 bis 3.5m und z.T. war das Meer ringsum nicht mehr schwarz, sondern weiss vor Gischt. Bei solcher Windstärke und Wellengang ist das Reffen und Bergen von Segeln kein Kinderspiel mehr. Gemäss Charles, er sass am Steuer, weil man das Schiff im richtigen Moment in den Wind fahren muss um eine Segelfläche zu verkleinern (=reffen), haben die Manöver von Klaus und Thomas spektakulär und sogar dangereux ausgesehen. Ich lag zum Glück in der Koje unten, ich wäre keine Hilfe gewesen und hätte das alles auch nicht mitansehen wollen. Aber Thomas hat seine Feuerprobe mit Bravour überstanden, chapeau! Als ich um 21h dann ins Cockpit hochkam, brachte ich zum Z'nacht Bananen, Schoggi und Riegel mit. Für die erste Wache waren wir dann zu zweit, dafür für 3 Stunden, und zur Sicherheit wurden die Schwimmwesten angezogen. Leider hatten wir die Einstiegsluke nicht geschlossen, so konnten die Wellen von seitlich hinten immer mal wieder ins Schiffsinner spritzen. Auch während der Ruderwache haben wir gelegentlich eine Gischt oder sogar eine Breitseite abbekommen. Aber es war zum Glück nicht kalt und am Morgen liess sich alles leicht wieder trocknen.

Das Aussitzen des verbliebenen Seeganges aus Norden war dann gestern echt mühsam. Es rollte dermassen, dass man weder lesen noch normal auf Deck sitzen konnte, immer wieder musste man sich wo festhalten. In der Koje liegen kann man auch nur, bis einem der Rücken wehtut. Bei solchen Bedingungen halten sich aber alle lieber auf Deck auf, denn  im Schiffsinnern rollt und bewegt es noch heftiger. Trotzdem habe ich dann zum Abendessen ein feines Pilzrisotto kochen können. So ganz wohl war es uns natürlich nicht, aber mit einem Schluck Cola zwischendurch oder einem Stugeron liess es sich ohne 'Fische füttern' machen.

Wie so oft nach heftigen Winden hatten wir gestern und auch heute noch Besuch an Bord: von Vögeln, die auch vom Sturm abgetrieben werden. Ganz kurz machte ein papageiähnlicher gelb-schwarzer Rast, dann ein kleiner grauer, der sich sogar streicheln liess und zwei wunderschöne blaue Schwalben. Die eine versuchte immer wieder, ihre(n) Partner (in) zu holen, diese kehrte aber immer wieder auf die Wahoo zurück. Leider sind diese Vögel praktisch zum Tod verurteilt, sie fressen und trinken trotz Charles' und Thomas' herzigen Bemühungen nicht und nun fährt die eine hartnäckige mit uns Richtung Süden, Port Said, statt ihrer Route gemäss Richtung Norden.

Am nächsten Morgen lag sie tot unter dem Dingi, worunter wir sie über Nacht brachten. Unten wollten wir sie nicht haben, nachdem der erste Vogeldreck aufgeputzt werden musste.

 

24. April 2007 / Th

Ich sitze im Cockpit der Wahoo, es ist kurz vor Mitternacht, über mir der Sternenhimmel und in den Ohren dröhnen Alfred Quecksilber und seine Mannen.

Gestern morgen hatten wir im Hafen leichten Wind aus West und so haben wir unsere Anker im Hafen zusammengesammelt und uns auf den Weg gemacht. Nachdem die Segel oben waren - oh Schreck - no Wind. Der Nase unseres Skippers nach sind wir dann weiter vom Land weggefahren und da hatten wir dann WInd . Zwar aus SW statt, wie angekündigt aus NW, aber uns war auch das recht, wir wollten ja nach Osten. Der Wind hat immer mehr zugenommen und bald schon hiess es dann die Segel reffen.

So ging es in flottem Tempo zur Nordostspitze von Kreta. Dort angekommen haben wir Kurs gesetzt auf Port Said. Mit der Zeit hat dann der Wind weiter zugelegt (mittlerweile hatten wir etwa Windstärke 6), die Wellen sind immer höher geworden und wir haben zum Teil angefangen zu surfen.  So musstem wir nochmals reffen. Kaum waren diese Manöver abgeschlossen, wir hatten jetzt bis 40 Knoten Wind (Stärke 8), war das Schiff nicht mehr auf Kurs zu halten. So musste dann das hintere Segel geborgen werden, was nicht ganz einfach ist bei so viel Wind.

Wir segelten jetzt also nur noch mit dem vorderen Segel, zweimal gerefft, in einem handfesten Sturm durch die Nacht. Auch so haben wir noch 6 bis 7 Knoten gemacht.

Heute morgen war dann alles überstanden und wir mussten erst mal nachschauen, ob noch alle Tassen im Schrank waren. Die Schäden haben sich in engen Grenzen gehalten und wir haben unsere Feuertaufe erfolgreich bestanden. Einzig unter den Nachwehen des Sturmes, nämlich dem ziemlich starken Seegang, hatten wir heute noch den ganzen Tag zu leiden. Das Schiff rollt immer wieder heftig.

So, jetzt ist meine Schicht um; ich gehe Julia wecken und dann ab in die Koje.

 

22. April 2007 / Th

Der erste Hafen, den wir angelaufen haben, war randvoll mit Fischerbooten und die wenigen freien Plätze waren zu wenig tief (obwohl wir nur 1.30m Tiefgang haben). Die Leute am Hafen haben nur zugeschaut und keine Anstalten gemacht uns irgendwie zu helfen, einen Platz zu finden.

Also haben wir uns zum nächsten Hafen aufgemacht und da hatten wir dann mehr Glück. Ein Fischer hat uns einen Platz zwischen zwei Fischerbooten gezeigt. Klaus hat dann ein filmreifes Retourpakieren mit einem grossen Segelschiff in einem kleinen Fischerhafen hingelegt. Leider hatte es keine Leine, um unseren Bug zu befestigen. So mussten wir nochmals aus unserer Parklücke herausfahren und den Anker werfen. Dann wieder einparkieren und am Heck festmachen (das Schiff liegt dann rechtwinklig zur Hafenmauer, ist mit dem Bug am Anker und mit dem Heck an der Hafenmauer festgemacht).

Gestern gegen Mittag hat es dann plötzlich begonnen zu blasen direkt auf unsere Backbordflanke. Der Wind wurde immer stärker, und, oh Schreck, unser Anker hat nicht gehalten. So blieb uns nichts anderes übrig, als einen zweiten Anker in Windrichtung auszuwerfen. Konkret hiess das: Schlauchboot wassern, Anker und Kette ins Schlauchboot, Tau an die Ankerkette, Motor anwerfen und versuchen, an die geplante Abwurfstelle zu gelangen. Der Wind hatte aber auch noch ein Wörtchen mitzureden. Su haben Klaus und ich die geplante Stelle nur bedingt erreicht. Kette ins Wasser, Anker hintendrein und nichts wie weg. Dieser Anker hat dann gehalten; leider war die Position nicht optimal.

Der Wind hat weiter zugelegt und so wurde von der Leitstelle beschlossen, dass der 50kg Reserveanker ebenfalls noch in Dienst gestellt werden müsse. The same procedure than last time. Diesmal wurde die Abwurfstelle genau getroffen und der Anker hält auch.

Kaum waren wir wieder an Bord, hat der Wind nachgelassen. Später ist er aber wieder gekommen und die getroffenen Massnahmen haben sich als absolut richtig erwiesen. Nun liegen wir also an drei Ankern im Hafen von Milatos.

Erste Erkundgsfahrten haben heute gezeigt, dass wir alle Anker wieder bergen können sollten.

Heute hatten wir immer noch Wind aus Osten, so dass wir nicht weitersegeln konnten. Für morgen sind nördliche Winde angesagt und wir hoffen, dass es dann klappt.

 

20. April 2007 / Th

Am Montag hatte es schön Wind, leider direkt aus der Richtung, wo wir hinwollten. Nach zwei Stunden hart am Wind und immer höheren Wellen sind wir in unsere sichere Bucht zurückgekehrt. Dienstags sahs nicht besser aus: wenig Wind und Wellen bis in unsere Bucht. So haben wir Daumen gedreht und auf bessere Zeiten gewartet. Julia und ich haben noch ein wenig die Insel erkundigt und noch mehr von den komischen Geissen gesehen. Die klettern die Berge hoch wie unsere Gämsen.

Am Mittwoch haben wir dann Kurs auf den mittleren Finger des Peloponnes gesetzt und sind, meist unter Motor, zu einer kleinen Bucht mit ein paar Häusern und drei Beizen gekommen. WIr haben frischen, wunderbaren Fisch gespeist in der Beiz (zu 45 Euro das Kilo, was wir aber erst beim Bezahlen merkten ;-). Die Leute waren aber sehr nett, haben uns den Kaffee offeriert und noch zwei Brote und zwei Flaschen Wein geschenkt.

Gestern Donnerstag haben wir uns dann auf den Weg Richtung Kreta gemacht. Für den Fall fehlenden Windes zuerst zum Südzipfel der Insel Kythira. Der Wind war aber grandios (südwest bis west). Wir sind mit 6-7 Knoten gelaufen und haben uns dann entschlossen, Kreta nördlich zu umfahren. Der Wind war weiterhin optimal. Mitten in der Nacht hat der dann von Süd auf West gedreht und, sobald die Segel neu gestellt waren, aufgehört. Da es nur noch geschaukelt hat (ihr wisst schon: Erbe vom guten Wind), haben wir dann halt wieder den Diesel angeworfen.

Jetzt sind wir nördlich von Peristerias (etwa in der Mitte von Kreta) und überlegen uns, welchen Hafen wir anlaufen sollen. Der Wind kommt mal wieder dort her, wo wir hinwollen.

Charles hat heute morgen zwei Delfine auf der Bugwelle reiten sehen und die Bergspitzen von Kreta sind schneebedeckt.

 

15. April 2007 / Th

Gestern haben wir einen Ruhetag eingelegt und mussten uns dann vor einem Sturm in eine sichere Bucht absetzen. Der Sturm kam nicht - die Bucht ist trotzdem schön.

Heute wollten wir ein wenig relaxen doch wir mussten das Beiboot reparieren und dann brach noch die M12 Schraube, welche den Hydraulikzylinder der automatischen Steueranlange mit dem Ruder verbindet. Wir mussten improvisieren und ein neues Teil herstellen und einbauen. Jetzt funktioniert es wieder.

Das Meer hat jetzt 18°C und ich schwamm heute um das Schiff herum. Klaus konnte das nicht auf sich sitzen lassen und tat es mir gleich.

Später haben wir dann noch eine Wanderung zum Leuchtturm auf der Insel unternommen um dem Leuchtturmwärter ein wenig Abwechslung zu bieten. Leider war der schon wegrationalisert. Es war trotzdem schön.

Auf der Insel gibt es irgendwelche Ficher die sehen aus wie Steinböcke. Zum Glück sind wir denen heute nicht begegnet.

Morgen geht es dann, so Aeolus will, weiter nach Kreta.

 

13. April 2007 / Th

Heute haben wir einen Ruhetag eingelegt. Klaus hat sich im Damensalon eine neue Frisur verpassen lassen. Danach gabs Brunch mit noch warmem Brot und Milchschümli auf dem Kaffee.

Danach Pilgenpumpe repariert und eingebaut sowie Automatik für das Fock montiert. Dann war Landgang angesagt. Leider war die Burg schon geschlossen, so dass die Besichtigung ins Wasser fiel.

Hier in Methoni blühen bereits die Hibiskus, aber in der Nacht wird es sehr frisch. Das Meer ist immer noch gleich kalt wie gestern.

Zum Z'nacht waren wir bei einem Griechen. Es gab Riesenkotelettes, griechischen Salat und Pommes. In der Beiz lernten wir ein griechisches Paar kennen, die sehr gut französisch sprechen und hier ein Haus haben. Die französischsprachigen unter uns haben allerlei Interessantes erfahren.

Jetzt trinken wir noch eine Metaxa, gehen dann schlafen und träumen von nördlichen Winden (und hoffen, dass unsere Träume morgen wahr werden ;-).

 

12. April 2007 / Th

Um 9 Uhr sind wir in Vlichos (auf der Insel Lefkas) gestartet. Zuerst hatten wir null Wind. Bald hatten wir dann Wind aus Westen, unstetig und immer wieder drehend. Bald hatten wir aber recht flotten Wind und machten ohne Fock 6 bis 7 Knoten. Zwischendurch hat der Wind wieder abgegeben, dann wieder zugenommen. Als Spitzengeschwindigkeit konnten wir 9 Konten verbuchen.

Wir kamen gut voran, doch in der Dämmerung hat der Wind immer mehr nachgelassen und wir hatten nur noch die Wellen, quasi als Erbe des Windes. Das führt dazu, dass das Schiff ziemlich heftig rollt und sich alles bewegt, was nicht niet- und nagelfest ist.

An Kochen war da nicht mehr zu denken. Als das Rollen dann ein wenig nachliess, hat uns der Skipper ein Süppchen gekocht.

Als ich um 3 Uhr die Wache übernahm, haben wir nur noch gut zwei Knoten gemacht. Kurz vor Ende meiner Schicht hat es dann wieder Wind gegeben und zwar mal wieder von vorne. Diesmal alledings mir 45° von vorne. Damit kann man den Kurs halten. Also Segel stellen und Motor abstellen. Bei Segeln hart am Wind hat man zusätzlich zum Wind noch den Fahrtwind um die Ohren. Alles in allem bis zu 18 Knoten und ziemlich frisch. Klaus hat übernommen und ich konnte in die warme Koje schlüpfen. Gemäss Klaus hat der Wind aber bald wieder nachgelassen undgedreht. Nach einigen Aufkreuzversuchen hat er die Maschiene wieder angeworfen.

Heute gegen fünfzehn Uhr haben wir dann die Bucht von Methoni am Südwestzipfel des Peloponnes erreicht. Nach dem Klarmachen des Schiffes war Mittagessen angesagt und danach Siesta. Mit dem Schlauchboot ging es dann an Land zur Erkundung der näheren Umgebung.

Die Bucht, in der wir ankern, ist sehr schön und man kann gut baden (Wassertemperatur: 16.5°C). ImHintergrund sieht am die gut erhaltenen Ruinen einer grossen Burganlage aus der Zeit der Venezianer.

Zum Nachtessen gab es Älplermagronen. Julia ist gerade am Kaffee kochen und dazu gibt es eine Metaxa aus Lefkas.

Für morgen ist ein Ruhetag geplant; die Windprognosen sind sowieso eher ungünstig.

Die nächste Etappe geht bis an den Südwestzipfel von Kreta und von dort geht es dann mit direktem Kurs nach Port Said (ca. 500sm), dem nördlichen Ende des Suezkanals.

 

10. April 2007 / Th

Den ersten Teil des Fisches haben wir am Sonntag abend in der Bucht von Othoni genossen. Am Montag morgen sind wir dann losgefahren - zuerst unter Motor nach Osten Richtung der albanischen Küste - dann nach Süden, vorbei an der griechischen Insel Korfu. Bald gabs dann auch Wind und wir konnten wieder Segeln. Nach dem zweiten Teil des Bonitos (auf Gemüsebeet) hat der Wind wieder nachgelassen und 'Dieseln' war wieder angesagt. Bald waren wir dann auf der Höhe von Igomeniza mit entsprechend viel Fährverkehr. Als meine Wache begann, hatten wir plötzlich Wind frontal auf die Nase. Klaus gab mir die Anweisung aufzukreuzen. So kommt man auch zum Ziel - aber mit doppelter Distanz! Leider musste ich feststellen, dass es auch noch so was gibt wie eine Drift, welche einem vom Ziel wegtreibt. So hatte ich dann nach zwei Stunden nur eine Meile erkämpft und mich schweren Herzens entschlossen, den Motor wieder anzuwerfen. Da überall ringsum Land war, musste ich noch den Skipper aus den Federn schütteln, um die Navigation zu checken.

Als ich dann aus dem Schiffsbauch wieder herauskam und in Fahrtrichtung schaute, bin ich furchtbar erschrocken. Da war genau vor uns ein oranges Ding, das hell leuchtet - es war der aufgehende Mond. Der Wind hatte dann so gedreht, dass wir direkt auf unser Ziel - das nördliche Ende der Insel Lefkas - zulaufen konnten.

Klaus hat uns geweckt zum Segel bergen und pünktlich um 10 Uhr hat sich die Drehbrücke von Lefkas geöffnet und wir konnten den Kanal passieren. Dann ging es noch ca. eine Stunde weiter und seit 12 Uhr liegen wir in einer grossen Bucht in der Mitte von Lefkas vor Anker. Danach war erst mal Siesta angesagt und dann Einkaufen.

Im Ort hier haben wir dann griechisch zu abend gegessen und nun (22:20) sitze ich bei recht kühlen Temperaturen auf Deck und schreibe dieses Mail.

Morgen geht es dann weiter mit dem Ziel südwestliches Ende Pelopones.

 

8. April 2007 / Th

Am Samstag 7. April um 11:30 sind wir jetzt endlich gestartet. Von Bar in Montenegro ging es ziemlich genau in südlicher Richtung gut 130 Seemeilen nach Griechenland. Am Anfang unter Motor, später mit gutem Westwind CO2-neutral mit 5 bis knapp 7 Knoten (= Meilen pro Stunde). Das neue Fock als zusätzliches Segel bring wie erhofft einen guten Knoten mehr Fahrt.

Für uns hiess es das erste Mal Nachtwache schieben. D.h. Einer oder Eine ist auf der Brücke, während die andern schlafen. Das Steuern übernimmt der Computer, aber man muss alles überwachen und aufpassen, ob sich andere Schiffe, Leuchttürme oder ähnliches nähern. Strom für die Selbststeueranlage kommt vom Wellengenerator, welcher die Drehbewegung der Schraube ausnützt.

Gegen morgen hat dann der Wind nach Norden gedreht. Das bedeutete, dass die Segel neu gestellt und das Fock eingeholt werden mussten. Zum Glück hat der Mond Licht gespendet. Im Morgengrauen hat dann der Wind immer mehr nachgelassen, so dass wir wieder den Motor anwerfen mussten. Heute gegen Mittag hat es dann wieder Wind gegeben und wir sind mit gutem Wind bis Othoni, der nördlichsten Insel Griechenlands, gesegelt.

Heute morgen früh haben wir unseren ersten Fisch gefangen (während der wachhabende Skipper friedlich auf der Bank geschlafen hat) - einen ca. 5 kg Bonito (einen kleine Thunfisch). Ich hatte die Ehre in ausnehmen und zerlegen zu dürfen.

Um ca. 20 Uhr sind wir in eine Bucht in Othoni (39° 51' N / 19° 24' O) eingelaufen und haben den Anker geworfen. Danach gabs zur Feier des Tages eine Flasche montenegrinischen Sekt zum Apéro. Charles und Julia sind nun am Zubereiten den Nachtessen (es gibt Fisch ;-).

Morgen geht es dann weiter Richtung Lefkas.

 

5. April 2007 / Ju

Nun sind wir seit mehr als 1 Monat hier in Bar, Montenegro, am arbeiten, Sachen organisieren, Material beschaffen, Technisches einbauen, Esswaren und Wein am bunkern, etc.

Thomas hat sich wieder als äusserst gewiefter Elektroinstallateur erwiesen: Wellengenerator, Echolot, Funk, Ventile, Windgenerator, Internet, alles verkabeln, anschliessen und kontrollieren. Noch vieles mehr, von dem ich nicht mal den Namen weiss ...

Charles, der sehr sympathische und geschickte (nur Kochen kann er nicht so, dafür den Abwasch machen) Genfer hat viele Holzbefestigungen geschreinert und montiert, dazu singt oder pfeift er fast immer :-)). Klaus versucht in dem Chaos, das v.a. am Anfang durchaus einer Baustelle in einem Haus glich, nicht den Überblick zu verlieren. Alles auf der WAHOO ist theoretisch ganz genau an seinem Platz versorgt, das ist effektiv sehr wichtig und es muss auch alles seefest (= Wellengang) untergebracht werden. Beim Segeln dürfen weder Tassen noch Schraubenzieher herum(f)liegen. Dann hat er mit dem Einheimischen Dragan immer wieder Stahlteile für Befestigungen geschweisst.

Ich, als passionierte Nicht-Näherin, habe soviele Meter auf der Nähmaschine abgespult wie noch nie zuvor: Abdeckungen, Moskitonetze, Nähte flicken etc. Soviele, dass es sogar langsam beginnt Spass zu machen. Dazu habe ich "tonnenweise" Einkäufe per Velo angeschleppt: alltägliche Esswaren (wir kochen jeden Abend) und dann auch Vorräte zum Einbunkern. Wobei für die in dem allg. Chaos auch erst wieder Platz geschafft werden musste. Heute abend werde ich zum 1. Mal auf der WAHOO schlafen, Thomas hat gestern schon. Vorher waren wir in einem Ferienappartement, da das allg. Durcheinander hier viel zu gross war. Ausserdem haben wir beide eine warme Dusche mit Licht und in der Nähe sehr geschätzt. So lange das Schiff in der Marina angedockt ist, ist WC und Duschen im Marinahäuschen angesagt :-(. Gefroren haben wir auch so. In der Wohnung war es ziemlich kalt und klamm, denn das Wetter "spinnt" auch hier. Es hat uns sogar sehr in Rückstand gebracht. 8 volle Tage lang war es wirklich nur regnerisch und kalt, Schnee auf den Gipfeln ist auch jetzt noch sichtbar. Bei solchem Wetter sind fast keine Aussenarbeiten möglich und das Regenzeug und die nassen Schuhe müssen ja auch irgendwie ins Schiff hinein. Arbeit hatten wir zwar genug, aber eigentlich wäre das Lossegeln auf spätestens Ende März geplant gewesen, nun sind wir immer noch da. Aber so wie die Sonne zwar noch nicht wirklich wärmt, weil zu wenig konstant, aber nun doch vorherrscht, so sehr wird das "Leinen los" jetzt absehbar. Morgen oder eher wahrscheinlich übermorgen. Wobei halt dann der Wind auch stimmen muss, wir sind schliesslich auf einer Segeljacht und brauchen Nordwind.

Der alltägliche Espresso im Hafenjachtclub (man stelle sich da nicht so ein edles Teil à la Film vor) schmeckt ausgezeichnet, die Zeit nach dem späten Mittagsimbiss und nach dem Abendessen nehmen wir uns immer. Selbstverständlich essen wir gut, zwar einfach, aber wohlschmeckend. Wein ist auch da, es gibt guten montenegrinischen, für den wir in den Untiefen des Schiffsbauches unwahrscheinlich viele Stauräume gefunden und gefüllt haben.

Unsere Vermieterin spricht sehr gut französisch, sie waren mehrere Jahre in Paris. So konnt ich mich verständigen und sie hat mir viele Tipps geben können. So z.B. den Coiffeurbesuch von heute. Man sieht auch daran, dass die Abreise definitiv näherrückt, jetzt muss es kurz und praktisch werden, für das bleiben ist mit Thomas' Haarscherer schon gesorgt... Charles kennen wir gar nur mit dem Nullschnitt ... In der Wohnung konnte ich auch einiges mit der Waschmaschine waschen, was eine grosse Vereinfachung war. Unsere kleine Bordwaschmaschine mit Handkurbel funktioniert zwar nicht schlecht, aber die ist mit 4 Tischis und ein paar Socken natürlich voll.

Als die WAHOO aus dem Wasser war für die Rumpfbehandlung, waren wir auswärts essen. Leben kann man trotzdem auf dem Schiff, aber alles Wasser läuft direkt auf den Platz raus, darum ist Kochen, bzw. Abwaschen eher mühsam.

Vorgestern waren wir alle vier mit Dragan auf einem Ausflug zum riesengrossen Süsswassersee hinter Bar. Die Strasse dahin nähert sich bis auf 50m der albanischen Grenze. Dann hatten wir in einem eher gediegenen Resto ausgezeichnet gegessen. Beim Kaffee dann im nahen Dorf hat uns der Besitzer schnell auf Deutsch angesprochen und es stellte sich heraus, dass er jahrelang in Zürich gearbeitet hatte und seine Frau eine Liechtensteinerin aus Schaan ist. Der Sprachtest hat das dann auch eindeutig bestätigt. Seine Beiz war vollgestopft mit Antiquitäten und Kanonen aus Plastik, von einem Film mit Bud Spencer, sagte er ... Das war eine spannende Begegnung und sie haben uns die Kaffees offeriert.

Gestern abend hatten wir ein amerikanisches Paar aus Seattle zu Gast, Thomas hat Spaghetti alla Tommaso gekocht und bekam dafür Lob für 3 Monate ;-)). Das war ein sehr netter Abend, und heute sind wir zum Apero auf ihrem Motortrawler eingeladen. Ich freu mich schon, dann kann ich wieder mal ein Schiff besichtigen.

So geht es uns gut, der Berufsalltag ist schon längst weit auf die Seite gestellt, die Träume sind wie immer auf der WAHOO sehr intensiv, wild, manchmal lustig und manchmal eher zum mehr als bloss den Kopf schütteln. Aber wir sind nun schon alle "giggerig", dass es endlich losgehen soll. Via Othoni, der nördlichsten Insel Griechenlands, über Lefkada zum äussersten Finger der Peloponnes und dann weiter nach Kreta, so ungefähr...