News II

16. September 2007 / Th

Am 31. August sind wir dann wieder in Salalah eingetroffen. Die WAHOO stand immer noch dort, wo Klaus sie vor 2 Monaten verlassen hatte. Für uns standen noch einige Arbeiten an, unter anderem mussten wir noch mit einem 'Cherry Picker' (braucht man auch um Strassenlaternenglühbirnen auszuwechseln) auf den Mast und einige Änderungen durchführen, damit die Falle nicht mehr scheuern konnten.
Der Wind auf unserer geplanten Route war immer noch sehr kräftig, so dass wir es nicht eilig hatten.
Nach ein paar Tagen kam dann das Schiff wieder ins Wasser. Als wir den Motor starten wollten, machte der keinen Wank. Zuerst dachten wir an ein elektrisches Problem mit den Glühkerzen, konnten das aber bald ausschliessen. Also musste das Problem irgendwo bei der Brennstoffzufuhr liegen. Nach einigen Entlüftungsversuchen tat der Motor dann erste Stotterer und bald darauf lief er dann wirklich an.
Doch, oh Schreck, der Öldruckanzeiger spielte verrückt. Mal zeigte er nichts an, dann bewegte er sich wie ein tollwütiger Scheibenwischer. Irgendwas war da faul im Staate. So wurde beschlossen, den Universalmechaniker Muhamed der Iraki anzuheuern. Der kam dann am andern Morgen in der feinen Hose und im hellen Hemd, Zigarette im Maul und schaute sich die Sache an. Offensichtlich war der Öldrucksensor kaputt (Korrosion, von der bekamen wir noch mehr zu spüren). Klaus und der Mechaniker brachen dann auf in die Stadt um Ersatz zu besorgen. Sie kamen dann mit einem neuen Sensor und allerlei Ölflaschen zurück. Der Motor brauche dringend eine innere Wäsche und so wurde das Öl ausgelassen und Reinigungsöl eingefüllt.
Alle Filter wurden kontrolliert und dabei hat der Mechaniker den Treibstofffilter auf die harte Tour ausgebaut (was sich später bitter rächen sollte). Da kein Ersatzfilter auf dem Schiff war, wollte Muhamed in der Stadt Ersatz besorgen. Er kam jedoch mit leeren Händen zurück.
Da er am Abend nach Dubai fahren würde, könnte er den entsprechenden Filter von dort mitbringen (was dann jedoch auch nicht klappte).
Der zweite Sensor funktionierte dann und alles schien wieder im grünen Bereich zu sein.
Als wir den Wellengenerator testeten, machte der auch keinen Wank mehr. Ausbauen und Diagnose stellen: ein Wicklungsdraht durchkorrodiert (ca 5mm waren nur noch grünes Pulver) und ein Bürstenkontakt ebenfalls abgefault. Das konnten wir reparieren und so läuft das Teil wieder.
Am 11. September um 15 Uhr lichteten wir dann den Anker und stachen in See Richtung Süden. Alles lief am Anfang gut, auch das mit den längeren Wachen (weil wir nur noch zu dritt sind). Das Meer war relativ ruhig und der Wind eher an der unteren Grenze. Zwischendurch mussten wir auch mal wieder motoren. Am zweiten Tag dann, ich warf mal wieder den Motor an, da Flaute herrschte, roch es komisch, ein wenig nach Abgas, ein wenig nach Diesel. Nach einiger Zeit, das komische Riechen hatte nicht wieder aufgehört, öffnete ich den Deckel zum Maschinenraum. Da unten schwamm alles. Sofort den Kapitän wecken. Er diagnostizierte Kühlschlauchbruch und damit Kühlwasser im Motorraum. Motor sofort abstellen und dann erst mal alles abkühlen lassen. Nach dem Mittagessen schauten wir uns das Ganze dann von nahem an. Es sah tatsächlich so aus, als ob der Kühlschlauch ein Leck hätte. Wir schnitten das verletzte Ende heraus und schlossen den Schlauch wieder an. Als wir Kühlwasser nachfüllen wollten, stellten wir fest, dass eigentlich gar kein Wasser fehlte.
Also nochmals den Motor starten und schauen, wo das Leck ist. Mit Schrecken stellten wir fest, dass aus dem Kraftstofffilter Diesel herausspritzte. Nach der Demontage fanden wir einen feinen Riss im Gehäuse des Filters, just dort, wo es durch die unsachgemässe Demontage gequetscht worden war. Hätten wir das noch länger nicht entdeckt, so hätte gerade so gut auch ein Brand ausbrechen können.
Wir überlegten, was wir jetzt tun könnten. Ohne Dieselfilter kein Motor und das für die nächsten 15 bis zwanzig Tage. Klaus hatte die Idee, den ganzen Filter in eine leere Konservendose einzukleben und so wieder dicht zu kriegen. Wir fanden eine passende Dose (Ananas) und Klaus klebte den Filter mit seinem Wunderklebstoff (irgend eine weisse silikonähnliche Masse) dort hinein. Bis am andern Morgen trocknen lassen - während der Nacht dümpelten wir mehr oder weniger an Ort - und dann einbauen und testen. Zuerst schaut alles gut aus, doch nach einer halben Stunde fängt es an zu lecken und zwar immer fester. Also Motor wieder abstellen, Filter ausbauen und noch mehr von dem weissen Zeugs dranstreichen. Nach dem Trocknen dann noch einen Gummi mit zwei Schlauchbrieden drumm. Nach dem Starten gibt es zwar eine Blase im Gummi, aber es scheint dicht zu sein. Doch leider hält es auch nicht viel länger als die erste Version.
Wir folgern, dass da im System ein ziemlich hoher Druck herrschen muss. Wir segeln wieder und treffen bald darauf auf drei Fischerboote. Wir versuchen mit Händen und Füssen und Arabisch und Englisch im Vorbeikreuzen unser Problem zu schildern. Und tatsächlich kommt dann eines der Fischerboote zu uns und wirft uns einen Sack mit einem Filter drin rüber. Doch leider ist er ein Nummer zu gross für unseren Motor.
Wir beschliessen schweren Herzens, dass es unverantwortlich ist, so unsere Reise fortzusetzen und setzen Kurs 327 Richtung Salalah. Da wir Wind auf die Nase haben, kommen wir nur langsam voran. Ich beschliesse daher noch die Variante Araldit zu implementieren. Also das ganze weisse Zeugs abkratzen und mit Schleifpapier putzen, dann entfetten und Araldit Rapid drüberstreichen. Wir beschliessen, den Filter bei Wachtablösung um 23 Uhr nochmals einzubauen und zu testen. Und tatsächlich scheint er dicht zu sein. Damit das Ganze überwacht werden kann, müssen wir den Deckel zum Motorraum offen lassen und laufend überprüfen, ob der Filter noch dicht ist. Zwei Stunden lang passiert nichts, dann plötzlich ein scharfer Strahl Diesel aus dem Filter. Sofort Motor abstellen. Als Letztes versuche ich noch die Aralditnaht mit dem Gummistreifen und der Schlauchbriede zu verstärken. Und siehe da, diese Variante hält die nächsten 20 Stunden durch. Allerdings sind wir alle wie auf Nadeln, weil man immer ein Auge auf den Filter im Motorraum haben muss zusammen mit der Befürchtung, dass er wieder zu lecken beginnt. Auch der Lärm und Dieselgestank wegen des offenen Motorraums machen uns auf Dauer recht zu schaffen.
Dank Internet über Satellit konnten wir dann schon von unterwegs Filter aus der Schweiz ordern und wir sitzen nun in Salalah, wo seit gestern Ramadan ist und warten auf die Ankunft der Filter aus der Schweiz. Im Oman gibt es offensichtlich keine PWs mit Dieselmotoren und daher auch keine entsprechenden Ersatzteile.

 

5. September 2007 / Ju

Nun, fast 2 Monate später, sind in Muskat die Temperaturen auf so Mitte 30 Grad gefallen. In Häusern und Autos ist das Klima ganz erträglich.  Draussen oder in unklimatisierten Räumen hält sich eh niemand auf. Muskat ist ja aus diversen Ortschaften zu einem Gross-Muscat zusammen gewachsen: die Stadt ist riesig weitläufig und ohne Auto oder die sehr teuren Taxis ist nichts zu machen.

Drama in 8 Akten und 6 Tagen

Erster Akt: Bei der Gepäckausgabe wird das Förderband zunehmend leer, der grosse Rucksack von Thomas fehlt! Sind wir nun doch schon so oft geflogen, dass es auch uns statistisch mal "preicht" und ein Gepäckstück mit Verspätung eintreffen wird? Jedenfalls werden wir an den Schalter der "bagage enquiry" verwiesen, wo wir mit Hilfe des Eincheckzettels  ein Formular ausfüllen. Da liegt aber allerhand herum, doch der violett-rosa Rucksack ist nicht dabei. Sobald das fehlende Gepäckstück eingetroffen und im Computer vermerkt sei, würde unserem Hotel Bescheid gegeben.

Zweiter Akt: Die Concierges des Hotels sind sehr nett und hilfsbereit. Unsere Nachfrage am nächsten Morgen ergibt nichts. Sie werden telefonisch beim Flughafen nachfragen. Dazwischen tauchen wir und erholen uns am Nachmittag am Pool bei Dösen und Lesen. Abendliche Nachfrage: sorry, alle Telefonlinien seien besetzt gewesen, aber diese Nacht treffe ein weiterer Flieger von Doha ein. Denn ziemlich sicher war der Rucksack beim Umsteigen in Doha (Qatar) verlustig gegangen.

Dritter Akt: Morgens und abends "sorry, we don't know, maybe tomorrow evening". Zum Glück war es nicht mein Rucksack (mit allen meinen  Kleidern ...), nein, ernsthafter, in meinem waren beide geschliffenen Taucherbrillen. Ohne die hätten wir nicht tauchen können! Zum Glück hatte ich noch diese uralte Adidas-Turnhose für aufs Schiff mit eingepackt: rot und mit kurzem Beinschnitt. So konnten sie Thomas als Badehose dienen: sexy, er sah ein bisschen, wie soll ich sagen, englisch?, aus! Für abends konnte ich ihm eine Bluse leihen. Ausser den verkehrten Knöpfen war da nichts exzentrisch.

Vierter Akt: "Maybe tomorrow evening..."  Die Sachen, die Thomas während der Reise getragen hat, nämlich Hose, Hemd und Unterhose, halten sich noch ganz gut. Ein Zahnbürsteli gab es ja bei der Qatar airlines für den Flug. Einen Einwegrasierer hat er sich dann mal beim Hotelconcierge geholt. Die sind immer noch nett, aber fragen sie auch immer wieder nach  oder ist bei einer besetzten Linie dann einfach Stillstand? Heute Montag ist auch das Büro der Qatar airlines in Zürich endlich geöffnet. Die Dame klemmt sich dahinter und gibt Bescheid, dass es nach Colombo, Sri Lanka, geflogen worden sei. Auf dem nächsten Flieger komme es zurück.

Fünfter Akt: Gemäss Computer sollte es in Doha sein, die finden dort aber nichts. So langsam aber sicher .... Es nervt und es stellt sich auch die Frage, ob es überhaupt noch vorhanden ist. Telefone nach Zürich. Keine abgesicherte Spur. Thomas' Handy geht langsam der Schnauf aus. Sein Rucksack enthält ja neben ein paar ganz wenigen Kleidern wie Badehose, Ersatzhemd und -unterhosen v.a. technische Materialien fürs Schiff und sämtliche Ladegeräte. Die  teure Kamera hatten wir ja zum Glück in Zürich noch rasch ins Handgepäck umgeladen.

Sechster Akt: "Maybe ..."  5 Tage ohne Gepäck übersteigt nun die uns als "normal" genannten 2 Tage doch deutlich. Thomas kann sich beim Concierge ein passendes Ladegerät fürs Handy ausleihen. Offenbar hat Issam, so heisst der nette Kerl, und er spricht als einziger wirklich gut Englisch und ist nicht so wortkarg, Mitleid mit uns, denn er schenkt uns "sein altes" Ladegerät. Also los, die Zeit abgleichen damit wir mit den Bürozeiten in Zürich korrespondieren und wieder ein Gespräch mit ZH. Es wird immer besser! Nun finden sich im Computer von Qatar airlines gar keine verifizierten Spuren mehr. Fliegt der Rucksack mit den für uns so wichtigen, auch ziemlich teuren Gerätschaften in der ganzen Weltgeschichte herum, liegt er einfach irgendwo auf einem Haufen anderer Gepäckstücke im nirgendwo, ist er auseinander gefallen oder  wurde er ausgeräumt? Allerdings hätte der Inhalt für Diebe keinen grossen Wert, so spezifisch sind die Sachen. Gemäss den internationalen Richtlinien gibt es bei verspätetem Gepäck 100 $ als Entschädigung. Wenn wir ohne das Tauchen direkt nach Salalah auf die WAHOO hätten weiterreisen wollen, wären wir jetzt recht am A...

Siebter Akt: "May ..." Wir nerven die Concierges dreimal täglich mit unserem Nachfragen, z.T. rufen sie auch in unserem Beisein bei Qatar an, aber immer ohne Resultat. Das Leiterpaar der Tauchbasis, François und Andrea, er Franzose und sie Deutsche, können es kaum glauben. Am Abend gehen wir als Abschluss des Tauchens und an unserem "letzten"  Abend in Muscat mit ihnen ins Turkish House essen. Dabei besprechen wir, wie wir weiter vorgehen könnten. Andrea hat auch in der Reisebranche gearbeitet und kommt ein bisschen besser draus als wir. Ihr Tipp: wir müssten nun alle dermassen nerven, dass jeder aus Eigeninteresse der Angelegenheit mit mehr Elan nachgehen würde. Und nach einem ersten höflichen Versuch sollten wir ausrufen wie die Wilden, denn im Vergleich mit den Omanis seien wir Europäer immer noch sehr anständig.

Achter Akt: Geplant war heute abend mit dem Nachtbus nach Salalah zu fahren. Per Taxi fahren wir zum head office von Qatar Airlines und verlangen dort einen Mister sowieso. Nach 2 Stunden sind wir dann endlich bis zum Finanzverantwortlichen vorgedrungen, der uns einfach die 100$ auszahlen darf. Nehmen wir die an, so verzichten wir auf jegliche weitergehende Ansprüche, und müssten also stattdessen einen begründeten Brief schreiben, weshalb wir die 100$ als nicht ausreichend erachten. Wir warten noch ab. Ein heftig geführtes Telefongespräch mit dem Kundendienstleiter Mr Omar von Qatar ergibt auch nichts Neues, der Rucksack ist immer noch im Nirwana, d.h. sie finden nirgends bestätigte Daten über ihn. Zurück ins Hotel, auschecken und bezahlen, Andrea holt uns und das vorhandene Gepäck ab, wir fahren zum Flughafen um uns mal selber umzusehen (oder zu nerven...) Am Schalter der Qatar finden wir Mr Omar und sagen ihm, wir wollten Zugang zu der bagage enquiry um selber nachzusehen. Er fügt sich in unseren Wunsch und meint ein bisschen süffisant, das könnten wir schon probieren ... Lauter und ziemlich hässig, das merkt man auch wenn es auf arabisch ist, wird er dann, als Thomas seinen auffälligen Rucksack tatsächlich inmitten hundert anderer Gepäckstücke entdeckt. Juppiee! Er lädt uns zu Tee in sein Büro ein, entschuldigt sich vielmals und erklärt auch die Situation. Nun haben die von Oman aviation, also der Bodendienst vom Flughafen Muscat, auf den Rucksack von Hand einen falsche Nummer eingetragen, die natürlich in keinem Computer vermerkt war. Wahrscheinlich am Tag vorher, als das Teil wahrscheinlich von Doha her eingeflogen wurde. Das heisst aber natürlich, dass dieser Rucksack niemals mehr aufgetaucht wäre, da ohne verifizierbare Herkunftsflugnummer, wenn wir ihn nicht selber "geholt" hätten. Es war alles unversehrt da und die 100$ haben wir uns auch auszahlen lassen. Ob die wohl die Telefonspesen via Schweiz gedeckt haben? Ganz zu schweigen von unserem Ärger und den so verpassten Relaxstunden am Pool des Hotels.

Ende gut, alles gut.  Zum Ausklang sind wir dann noch eine letzte Nacht in Muscat geblieben, in einem deutlich billigeren Hotel, dafür in der Nähe von Restaurants, Strand und Läden. Für den nächsten Tag hat uns Andrea noch einen Guide vermittelt, der uns in den 3 Stunden viel gezeigt und v.a. sehr viel Interessantes über Oman erzählt hat. Nach einer "geplanten" Reise von einem Monat im Jemen hängen wir nun noch einen Monat für den Oman dran - in einem nächsten Leben....  Aber lohnen würde es sich auf alle Fälle.

Tauchen: Wir wussten im Voraus, dass die Sicht hier im Arabischen Meer schlechter ist als im Roten Meer. Dies aufgrund mehr Planktons, was dafür wiederum für die grösseren Fische und mehr Artenvielfalt sorgen soll. Nun war aber die Sicht  z.T. wirklich recht schlecht, v.a. in den ersten 10 Metern. Möglicherweise ist das, wie die sehr unterschiedlichen Wassertemperaturen auch, noch auf den Hurrican vom Juni zurückzuführen.  Der hat u.a. auch viele Korallen beschädigt. So war das beim Abtauchen manchmal ein seltsames Gefühl, wenn von unten vom Guide her nur die Luftblasen und von oben von Thomas noch nichts zu sehen war. Die ersten beiden Tauchgänge haben wir ganz alleine gemacht, was uns auch wieder Selbstvertrauen gab. Wir haben beide Korallen, Fischreichtum und Klarsicht in Dahab (Ägypten) als bedeutend besser empfunden. Sehr gefallen haben uns aber die zum ersten Mal entdeckten riesigen Langusten mit einem Meter langen Fühlern. Davon haben wir drei entdeckt, dazu einen grossen Rochen beim Schwimmen und mehrere unter Felsen versteckt. Ein paar Fische waren auch wirklich sehr viel grösser als die bisher gesehenen.  Der Walhai beim Felsen draussen liess sich leider nicht blicken. Die Fotos davon von François waren jedoch sehr eindrücklich. In "Turtle City" haben wir nach langem Suchen dann genau ein Exemplar einer Schildkröte entdeckt. Aber wirklich genial war das Wracktauchen! Keine Sorge, es war ein extra für Taucher versenktes und gesichertes Stahlschiff in max. 30 Metern. Da habe ich mich wie mitten in einem Aquarium gefühlt. Das Wrack war voller Fische und das Tauchen zwischen Relings und Decks, inklusive einer Toilette in einem Kabäuschen, war eindrücklich.

Die Küstenlinie, der wir im Tauchboot mal auf die und dann auf die andere Seite folgten, war mit ihrer Kargheit, Schroffheit und den Inselchen ebenfalls spektakulär. Zudem waren wir hier praktisch immer alleine in einem Gebiet tauchen. Ausser einmal haben wir andere Tauchboote nur auf Distanz gesehen. Dies unterscheidet das Tauchgebiet um Muscat natürlich wohltuend vom überlaufenen Roten Meer.

4. Juli 2007 / Th

Die Verhältnisse in Salalah wurden bald besser, es hat nicht mehr geregnet und meist hat die Sonne geschienen. So konnten wir uns daran machen, das Schiff wieder auf Vordermann zu bringen. Insbesondere das Wasser, welches wir beim Wassereinbruch in die Bugkoje eingefangen hatten, machte uns viel Arbeit. Da Salzwasser, wenn es trocknet, Salz zurück lässt und Salz bekanntlich Wasser anzieht und die Luft immer sehr feucht ist, musste alles, was mit Salzwasser in Berührung gekommen war, mit Süsswasser gewaschen werden. Die Kleider konnten wir in die Wäscherei geben, aber die Matrazen mussten wir mit Süsswasser tränken und dann irgendwie wieder trocken bekommen.
Der ganze Raum unter dem Boden der Kabine ist zudem Stauraum. Auch dort mussten wir alles öffnen und das, was drin war (Ersatzmaterial, Seile, Lebensmittel, ...) herausnehmen, putzen und wieder trocknen. Alles in allem eine ziemliche Sch....arbeit. Unsere Moral war auch nicht gerade die beste, da eigentlich niemand in den Oman, sondern auf die Seychellen wollte!
Parallel dazu haben wir die Möglichkeiten für die Weiterreise abgeklärt: bis Ende August scheint es nicht möglich zu sein, direkt zu den Seychellen zu segeln. Bei Windstärken zwischen 30 und 40 Knoten und hohen Wellen hart am Wind zu segeln ist nicht möglich. So wie es scheint (Vergleiche mit den Verhältnissen der letzten Jahre haben das bestätigt), ist dieses Jahr der Südwestmonsun sehr stark (da war auch der Zyklon Gonu in dieser Gegend).
Alternativ könnten wir zu den Malediven segeln, diese von Nord nach Süd durchqueren und dann versuchen, von dort zu den Seychellen zu gelangen. Diese Variante haben wir aus verschiedenen Gründen verworfen.
Als letzte Möglichkeit blieb das Warten auf bessere Zeiten. Ab September sollte die Passage zu den Seychellen wieder möglich sein. So haben wir uns also entschlossen, das Schiff in Salalah zu lassen und in dieser Zeit Ferien in einem schönen Land zu machen. Da der Oman im Sommer extrem heiss ist, haben wir uns für die Schweiz entschieden.
Mit dem Bus sind wir dann quer durch den Oman nach der Hauptstadt Muscat gefahren (12 Stunden, gut 1000 km, meist durch karge Wüste). In Muscat haben wir übernachtet und uns dann am andern Tag die Stadt noch ein wenig angeschaut (es hatte ca. 41°C). Am Abend sind wir dann in einen gediegenen Flieger von Qatar Airlines eingestiegen und heute morgen in Zürich bei Regen und Kälte gelandet. So geht das.
Unser Mitsegler Charles hat sich leider entschieden, an dieser Stelle aus dem Projekt auszusteigen. So sind wir zur Zeit nur zu dritt und suchen daher dringend jemanden, der/die für mindestens die Passage vom Oman nach den Seychellen mit uns segelt.

 

25. Juni 2007 / Th

Am Dienstag morgen haben wir das Schiff klar gemacht, die inzwischen drei Anker und zwei Leinen wieder eingeholt, das andere Schiff losgebunden und sind dann mit angehaltenem Atem durch die inzwischen sehr schmale und untiefe Hafeneinfahrt gefahren. Die Einfahrt haben wir problemlos passiert (der Tiefenmesser hat 0.0 angezeigt).
So gegen 10 Uhr sind wir von Mukalla aus Richtung Osten losgefahren. Zuerst hatten wir ein wenig Wind. Der hat aber bald nachgegeben und wir mussten wieder mal motoren. Erst am anderen Tag kam dann Wind auf und wir konnten endlich mit halbem Wind segeln. Gemäss Windprognose hätte es ein angenehmes Segeln werden sollen. Bald aber hatten wir ziemlich viel Wind und vor allem Wellen. Aufgrund der Wellen hat man gemerkt, dass da irgendwo noch mehr Wind sein muss. In der dritten Nacht, wir haben uns langsam aber sicher dem Wegpunkt östlich von Sukutra - von wo aus wir den Kurs Richtung Äquator setzen wollten - genähert, wurde der Wind immer stärker. Als meine Wache um zwei Uhr fertig war, hatten wir bereits über 30 Knoten und hohe Wellen. Um 4 Uhr wurden dann von der Brücke 40 Knoten gemeldet (später hat Charles dann gesagt, dass er einmal 50 Knoten gehabt habe). Bis es hell wurde, haben Charles und Klaus das Schiff noch auf Kurs gehalten. Da der Steuerautomat nicht mehr mitgemacht hat, mussten sie von Hand steuern. Julia und mich hat es beinahe aus den Kojen geworfen, so hat das Schiff geschaukelt. Plötzlich bekamen wir nasse Füsse. Die Brecher hatten das Belüftungsrohr beschädigt und denn Schaumstoffpfropfen herausgedrückt. Unsere Betten und die meisten Kleider waren nass vom Salzwasser (--> grand merde).
Als es dann um 5 Uhr hell wurde, hat Klaus entschieden, dass wir das hintere Segel bergen und vor dem Wind ablaufen. Da der Wind aus Südwesten kam (was er in dieser Jahreszeit immer macht), hiess das, Kurs nach Nordost. Und da lag leider Pakistan und nicht die Seychellen. Aus diesem Grund haben wir dann den Hafen vom Salalah in Oman angelaufen. Das waren aber noch 200 Meilen bis dahin, das hiess, zwei Tage lang segeln in entgegengesetzter Richtung als geplant. Und das mit immer zwischen 20 und 35 Knoten Wind und Wellen so hoch, dass ihr es sowieso nicht glauben würdet. Diese zudem nicht schön aus einer Richtung, sondern kreuzweise.
Zu allem Übel hat es dann auch noch angefangen zu regnen und so sind wir dann am Samstag Nacht um 2 Uhr im grossen Hafen von Salalah angekommen. Als wir endlich von der Port Control erhört wurden, waren wir schon mitten im Hafen. Zum Glück hatten wir die elektronischen Karten, so dass wir die Einfahrt auch bei diesen schlechten Verhältnissen mitten in der Nacht gefunden haben.
Als wir uns dem Ankerplatz näherten, erblickten wir einen alten Bekannten, nämlich den Katamaran, welchen wir schon in Aden getroffen hatten. Am andern Tag erfuhren wir dann, dass die beiden schon an Sukutra vorbei und etwa 100 Meilen südlicher als wir waren. Dort wurden beide Segel des Schiffes beschädigt, so dass sie unter Motor umkehren mussten und nun auch hier sind. Zudem waren sie beide seekrank und hatten kein Gas mehr und daher seit 5 Tagen nichts mehr warmes zum Essen gehabt. Wir haben sie dann erst mal mit ein paar Tellern Spaghetti und ein paar Gläsern Rotwein wieder aufgepäppelt.
So wie es ausschaut, hat es dieses Jahr aussergewöhnlich starken Wind rund um das Horn von Afrika und es ist zur Zeit nicht möglich nach den Seychellen zu segeln. Wir sind also hier wahrscheinlich bis Ende August blockiert.
Zur Zeit sind wir daran, das Schiff zu trocknen, Kleider und Betten zu waschen und andere kleinere Schäden am Schiff wieder zu reparieren.
Hier an der Südküste des Omans hat die Regenzeit angefangen und seit wir hier sind, regnet es die halbe Zeit. Dafür ist es angenehm kühl.
Die Leute hier sind auch wieder sehr freundlich und hilfsbereit. Da es nicht sehr oft regnet hier, sind zur Zeit die Strassen an vielen Orten überflutet und in der Stadt bräuchte man eigentlich Gummistiefel,aber die wohlbekannten Plastikschlarpen tun es auch, die Füsse trocknen dann grad schnell wieder.

 

18. Juni 2007 / Th

Auf Grund der Wetterberichte haben wir uns am Mittwoch Abend entschlossen, nicht direkt weiter zu segeln, da um Sukutra herum zur Zeit sehr starke Winde wehen. WIr sind darum rund 100 Meilen Richtung Norden nach Mukalla gesegelt. Zuerst gings schleppend und wir befürchteten, erst bei Nacht anzukommen. Am Morgen kam dann aber Wind auf und wir machten flotte Fahrt, so dass wir um 15 Uhr in Mukalla waren. Die Port Control sagte uns, dass wir im 'old harbour' ankern könnten. Leider war der auf unserer Karte nicht eingezeichnet und so machten wir uns auf die Suche (one mile west). Dort gab es zwar etwas, was man mit viel Fantasie als Hafen anschauen könnte, aber nur, wenn das Meer absolut ruhig ist. Zur Zeit hat es aber meterhohe Wellen. Nach längerem Suchen fanden wir dann einen Fischerhafen und Klaus manövrierte in den engen Eingang. Wir sahen dann aber bald, dass der Platz viel zu eng war für uns. Und so machte Klaus eine preisträchtige Wende mitten in der Hafeneinfahrt (mit vielen Zuschauern). Ein Fischer zeigte uns dann die versteckte Einfahrt in einen neueren und grösseren Fischerhafen, wo wir nun vor Anker liegen (mit zwei Leinen zusätzlich ans Ufer).
Im Hafen von Mukalla haben wir das Schiff der beiden Schweizer wieder gesehen und sie dann angefunkt. Ihr Liegplatz war bei weitem nicht so konfortabel wie unserer und so fassten die beiden den Plan, auch in unseren Hafen zu kommen. Leider ist nur Platz für ein Segelschiff vor Anker. Darum liegen sie jetzt längsseits an der WAHOO (das Ganze war eine ziemlich dramatische Angelegenheit, aber darüber schweigt an dieser Stelle des Sängers Höflichkeit).
Seit die beiden neben uns liegen, sind Arbeiter nun daran, die Hafeneinfahrt zu verkleinern und das immer nachts. Das heisst, so ab 20 Uhr kommen Lastwagen mit Kies und Felsbrocken und ein Bulldozer schiebt das Ganze in die Hafeneinfahrt. So wird diese immer schmaler und weniger tief. Wir mit unserem Tiefgang von 1.30m kommen schon noch raus, aber die andere Jacht hat 2.30m ...
Hier in Mukalla ist es immer noch sehr heiss. Zum Glück hat es meist eine leichte bis mittelstarke Brise. Die Stadt ist ziemlich schmutzig, überall liegt Müll herum. Die Leute sind aber auch hier sehr nett und hilfsbereit, auch wenn nur wenige englisch sprechen.
Wir werden morgen mit grosser Wahrscheinlichkeit nach den Seychellen aufbrechen.
 

12. Juni 2007 / Th

Am Sonntag Nachmittag sind wir in Aden losgefahren. Leider hat sich der Wind nicht so von der guten Seite gezeigt (trotz Prognosen für guten Südwestwind). Wir mussten immer wieder den Motor zu Hilfe nehmen, um einigermassen vorwärts zu kommen. Bei Anbruch der Dunkelheit kam dann plötzlich Wind aus Nordost auf (wahrscheinlich von einem Gewitter über dem Land). Da kamen wir dann für ein paar Stunde flott voran. Danach hatten wir aber immer wieder drehende und schwache Winde.
Seit heute morgen nun haben wir den erwarteten Südwestwind und kommen mit gut 6 Knoten Durchschnitt flott voran. Wir werden die Insel Sukruta nördlich umfahren und dann Kurs auf den Äquator nehmen. Da wir nördlich des Äquators Südwestwind haben werden, können wir nicht direkt nach den Seychellen fahren, sondern müssen einige Grad noch Osten ausweichen. Danach geht es dann mit Nordostwind direkt nach Victoria.
Leider beissen hier im Golf die Fische nicht mehr so schön wie im roten Meer. Wir wissen noch nicht, woran das liegt.
Dafür sehen wir jeden Tag ein- bis zweimal Delfine, meist in grösseren Gruppen.

 

9. Juni 2007 / Th

Am letzten Montag sind wir zu einem Ausflug nach Sana'a, der Hauptstadt des Jemen, aufgebrochen. Sana'a liegt ca. 400km nördlich von Aden auf 2500 Meter über Meer. Die Busfahrt dauert zwischen 6 und 8 Stunden (mit modernen, klimatisierten Mercedes Bussen). Die Landschaft wechselt ständig zwischen kargen Wüstenlandschaften und grünen, fruchtbaren Gebieten.
Sana'a hat eine sehr grosse und gut erhaltene Altstadt. Die Strassen dort sind sehr verwinkelt und zum Teil sehr eng (trotzdem fahren überall Autos durch), so dass man sich wunderbar verlaufen kann.
Wir haben in einem hübschen Hotel in der Altstadt gewohnt und von dort aus die Stadt erkundet.
Julia und ich haben dann noch einen Tag angehängt und einen Ausflug in die Umgebung von Sana'a gemacht. Das hat sich wirklich gelohnt.
Gestern haben wir den Grosseinkauf für die nächste Etappe (bis zu den Seychellen, ca.2000 Meilen) gemacht. Es gibt einen riesigen Supermarkt, wo man praktisch alles bekommt (auch Gemüse aus Holland und Früchte aus Australien) ausser Alkohol. Aber wir haben zum Glück noch ein paar Flaschen gebunkert.
Heute haben wir Diesel getankt und die Wassertanks gefüllt. Morgen sollte es dann losgehen, zur bisher längsten Etappe der Reise (wir rechnen mit 20 Tagen ohne Landkontakt). Vom tropischen Wirbelsturm am Horn von Afrika haben wir gehört. Der hat sich aber wieder verzogen.
Noch ein paar Hinweise zum Jemen: Das Land ist muslimisch, die Frauen tragen zu 99% schwarze Kleider mit Burka (man sieht nur die Augen durch einen schmalen Schlitz). Viele Männer kauen Kat (= Blätter von irgend einem Baum mit berauschender Wirkung), was hier ein ziemlich grosses Problem ist. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Benzin und Coca Cola sind spottbillig (Benzin = 30 Rappen pro Liter, Cola = 1 Franken für 2.25 Liter).
Unter der Rubrik Bilder findet ihr eine neue Serie mit Fotos. Viel Spass beim Anschauen.
 

1. Juni 2007 / Th

Heute um 13 Uhr haben wir Aden im Süden von Jemen erreicht. Wir mussten uns das hart verdienen. Aber der Reihe nach:
Etwa 20 Meilen vor dem Eingang zum Bab el Mandeb haben wir wieder Wind bekommen, diesmal aber direkt auf die Nase. Nach einem Tag Aufkreuzen haben wir uns entschlossen, die Nacht im Schutze einer Insel zu verbringen und auf bessere Zeiten (Winde zu warten). Die Insel hatte eine einigermassen geschützte Bucht und wir konnten dort vor Anker gehen. Kaum war der Anker gesetzt, kam ein kleines Boot mit 70 PS Aussenborder mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu. Zuerst dachten wir, es seien Fischer, die uns einen Fisch verkaufen wollten. Als das Boot aber näher kam, erkannten wir, dass zwei der drei Insassen Kalaschnikows auf den Knien hatten. Genau so hatte ich mir einen Piratenüberfall vorgestellt. Das Boot ging längsseits und die Waffenbrüder machten finstere Gesichter. Der Mann am Steuer konnte Englisch und stellte sich als 'Eritrean Coast Guard' vor. Die drei trugen aber keine Uniformen und konnten sich auch nicht ausweisen. Sie wollten unsere 'Permit' sehen und Klaus zeigte ihnen seinen Pass mit dem eritreischen Visum und sonst noch einen offiziellen Fackel. Da waren sie zufrieden und zogen wieder ab, nachdem sie uns versichert hatten, einzig zu unserem Schutz dazusein.
Am Tag darauf sah es nach Süd- bis Südwestwind aus (zumindest an unserem Ankerplatz). Wir machten uns auf dem Weg, in der Hoffnung direkt mit Kurs 110° durch Bab el Mandeb zu segeln. Leider sah es sehr schnell so aus, dass der Wind wieder mal genau von vorne kam. Das ist eigentlich kein Wunder, wenn man sie dieses Nadelöhr auf der Karte anschaut. Also wieder mal aufkreuzen, was das Zeug hergab. Aber da gab es auch noch eine Strömung und ihr könnt euch denken, woher die kam: auch direkt von vorne. So haben wir uns dann den ganzen Tag abgemüht und am Schluss ca. 12 Meilen gewonnen. Je näher wir der engsten Stelle kamen, umso stärker wurde die Gegenströmung. Am Schluss haben wir überhaupt keine Höhe mehr gemacht. Da es schon dunkel war, haben wir uns entschlossen, die Segel zu bergen und mit dem Motor aus dem Getümmel heraus zu fahren. Wir hatten Strom und Wind gegen uns und am Anfang haben wir nur zwischen 0.2 und 0.8 Knoten Fahrt gemacht. Aber es ging je länger je besser und nach sechs Stunden unter Motor konnten wir die Segel wieder setzen und hart am Wind gegen Osten segeln.
Leider hat dann der Wind wieder mehr nach Osten gedreht und wir mussten wieder aufkreuzen. 50 Meilen vor Aden hatten wir dann gar keinen Wind mehr und wir mussten noch dieseln bis Aden.
Das erste, was man von Aden sah, waren hohe, schroffe, schwarze Berge. Aden liegt zum Teil in alten Vulkankratern. Der Hafen ist sehr gross, die Jachten liegen ganz in der Nähe des Hafeneingangs. Man sieht immer wieder grosser Frachter vorbreifahren und zum Teil ankern sie hundert Meter von uns entfernt.
Im Hafen lagen noch drei andere Jachten: ein Paar aus der Schweiz (die lagen seit 7 Monaten hier und sind jetzt auf dem Weg nach Osten), ein Mann aus Kasachstan, der die Welt in einem Siebenmeterboot umrundet hat, jetzt auf dem Heimweg ist und ein Boot, welches zur Zeit unbewohnt ist.

 

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