News VI

4. April / Th

Heute werden wir aufbrechen Richtung Namibia. Wir rechnen mit 4 Tagen bis nach Lüderitz.
Und die letzten Bilder von Südafrika sind jetzt online.

 

2. April / Th

Die Winde scheinen uns in den nächsten Tagen gut gesinnt zu sein und so sind wir gestern mit dem Auto nach Cape Town gefahren, um die Ausreiseformalitäten zu erledigen. Der zuständige Beamte war nicht so richtig 'amused', weil  wir seiner Meinung nach nicht korrekt eingecheckt hatten. So gab er zu Protokoll, dass er uns nicht ausklarieren könne, da wir in Cape Town nicht einklariert hätten. Allerdings sind wir ja in Saladanha und nicht in Cape Town, aber das interessierte ihn herzlich wenig. Immerhin hat er unsere Pässe abgestempelt und der Beamte in Saldanha, zuständig für Customs, hat uns heute problemlos die notwendigen Papiere ausgestellt. In diesem Land weiss zum Teil die linke Hand nicht, was die rechte macht.
Heute dann haben wir die letzten Einkäufe getätigt und am Abend haben wir im Yachtclub noch ein Braai gemacht (auf schweizerdeutsch eine Brätlätä). Julia und Phil, die beiden Kanadier, die wir hier kennengelernt haben, waren ebenfalls dabei, und auch Wulfi, der Südafrikaner/Schweizer. Dabei haben wir die eine oder andere Flasche Wein geleert und beim Einsteigen ins Dinghi ist doch unser Kapitän tatsächlich noch baden gegangen. Danach war er zumindest wieder einigermassen nüchtern.
Morgen abend oder übermorgen früh geht es dann weiter nach Lüderitz, Namibia, ca. 450 Meilen nach Norden.

 

27. März / Th

Seit gestern sind wir wieder automobil und Julia und ich haben heute mal die nähere Umgebung erkundet. Wir waren in Vredenburg, nördlich von Saldanha, dann in Paternoster, einem Fischerdorf, wo man sich auch in Griechenland fühlen könnte und dann noch in der St. Helena Bay. Die Landschaft hier ist hier eher öde, riesige Weideflächen mit Rindern und Schafen, aber eher trocken. Mehr oder weniger flach, dazwischen Hügel und Felsgruppen mit rundgeschliffenen Felsblöcken. Es wird überall sehr viel gebaut.
Ausserdem merkt man, dass der südliche Sommer langsam zu Ende geht und wir nahe bei der Antarktis sind. Wenn der Wind weht, ist es sehr frisch (man kann eigentlich sagen, dass wir uns den A.... abfrieren). Das Meer hat hier in der Bucht 15°, im Schiff haben wir jetzt während der Nacht auch 15°. Zum Glück haben wir auch noch warme Kleider mitgenommen, auch der Daunenschlafsack kommt zum Einsatz.

 

24. März / Th

So, nun sind wir herum ums Kap der Guten Hoffnung. Gestern, Ostersonntag sind wir bei Sonnenschein und blauem Himmel mit gutem Wind ums Kap gesegelt. Um Mitternacht waren wir etwa auf der Höhe von Kapstadt und am frühen Nachmittag sind wir in der Saldanah Bay (Google Earth) angekommen. Dies wird vermutlich unser letzter Hafen in Südafrika sein, danach geht es weiter nach Namibia.
In der False Bay und zwischen Kapstadt und der Saldanah Bay haben wir einige Male Wale gesehen, auch Defline, Seehunde und viele Vögel - aber wieder haben wir keinen Fisch gefangen.

 

22. März / Ju

Kontraste

Ich glaube, langsam kommen wir dem Geheimnis auf die Spur, weshalb Südafrika für viele Europäer und Kapstadt für viele Schweizer so attraktiv ist. Natürlich ist das Land so riesig gross, dass diese enorme Vielfalt an Landschaften, Flora und Fauna nicht wirklich erstaunen müssen. Dabei sind auch hohe Gebirge, endlose Sandstrände, blauestes (zum Teil aber auch arschkaltes) Meer und blühende Gärten. Einige der Landschaften haben uns sehr an schweizerische erinnert: mal ein bisschen Jura, dann wieder Appenzellische Hügel, Felsformationen wie im Alpstein, Wasserfälle und kleine Flusstäler oder schmale, sich windende Passtrassen wie bei uns auch anzutreffen. Gleich daneben aber Giraffen und Zebras oder Küstenklippen und Badeorte oder pfeifengerade, endlose Strassen und 6-spurige Autobahnen oder kleine schwarze Bauernhöflein und endlose Townships oder rassistische Farmer und klein gehaltene schwarze Niedrigstlohnarbeiter. Und die Drehseilbahn auf den Tafelberg von Garaventa, CH. Und - für mich fast am Eindrücklichsten: Platz, so viel Raum und Weite. Das zieht sich durch über Landschaften, Strassen, Einkaufszentren, Vergnügungsanlagen, Hoteleinrichtungen, Gartenanlagen, Architektur, Parkplätze etc.
Das heisst aber auch, dass hier ohne Auto nichts geht. Das meiste ist zu weitläufig oder zu weit entfernt. Die Weissen haben zu Fuss sowieso Angst (gefährlich, alle raten dir davon ab, zum Teil auch bei Tag). Zu Fuss gehen ein paar europäische Touristen, die sich nicht abschrecken lassen oder keine andere Möglichkeit haben, und fast alle Schwarzen. Die haben dann aber kilometerweit zu marschieren. Es werden viele Arbeiter von ihren temporären Arbeitgebern in den offenen Pickups abgeholt und jeweils um 17 Uhr wieder zurücktransportiert. Und dann gibt es die weissen Kleinbusse, die als Sammeltaxis funktionieren und für Schulkinder, einkaufende Frauen, Angestellte, Polizisten, und wen auch immer unabkömmlich sind. Übername dieser Busse: "two more", d.h. es haben immer noch zwei Leute mehr Platz als es Platz hat! Sie werden auch von ein paar wenigen Weissen genutzt. Sie haben festgelegte Preise und Routen, aber für uns ist dies undurchschaubar und die paar Fahrten waren jeweils ein richtiges Sightsseeing in die Schwarzenwohnviertel, aber auch interessant und mitten im Leben drin. Die Fahrten dauern länger als im konventionellen Taxi, dafür ist es fünfmal billiger und man kommt etwas mit Schwarzen in Kontakt. Man wartet einfach am Strassenrand auf das erstbeste, streckt den Finger hoch, wenn es anhält, fragt man, wohin es geht und wenn man die Antwort versteht und der Zielort passt, quetscht man sich rein und gibt dem immer mitfahrenden Jungen, der kassiert und mit Pfeifen oder an die Autotüren Trommeln um Passagiere wirbt, die Münzen. Mit der Zeit kennt man dann auch etwa den Fahrpreis und muss keinen "Fremden" Aufpreis mehr zahlen.
Wie schon gesagt, sind die Shoppingmalls riesige Einkaufszentren, ganze Komplexe mit x Boutiquen, Imbissen, Supermärkten, Haushalt- und Möbelwaren, Spezialgeschäften undundund. Die neue Welt. Problemlos, da drin Tage zu verbringen ohne dass man raus an die frische Luft müsste. Die WC Anlagen sind alle immer tiptop sauber und grosszügig. Mit Mels und St. Margrethen gibt es bei uns auch ähnliches, aber hier gibt es am Aussenrand (Auto!) von jedem grösseren Ort mindestens eine solche Mall. Ich weiss gar nicht, wer denn jemals soviel einkaufen kann wie hier angeboten wird. Auf uns nicht Amerikakenner wirken sie sehr amerikanisch. Immens, überfüllt, viele fette Leute, unendliche Produktepalette, durchorganisiert, breite Gänge. Die Musikberieselung und lästigen Werbedurchsagen, Leuchtreklamenflashs und andere Ärgernisse halten sich aber sehr in Grenzen. Sehr positiv: in den Gängen hat es einzelne Polstergruppen zum Sitzen, Ausruhen. Penner werden weggejagt, nicht aber geduldig wartende Ehemänner... In einem Geschäft habe ich sogar eine rollstuhlgängige und dafür eingerichtete Umkleidekabine gesehen. Chapeau! Daneben am Strassenrand bieten Schwarze auf ausgelegten Plastikplanen Brennholz, Früchte, Touristensouvenirs und Süsswaren an.
Die Gegend hier ist ja die weltbekannte Weinbauregion mit Stellenbosch und Franschhoek als Aushängeschilder. Natürlich haben wir uns das nicht entgehen lassen wollen und unsere Weinvorräte von Montenegro gehen definitiv zur Neige. (An ein paar Kartons kommen wir nicht mehr heran, da sich die betreffenden grossen Bodenbretter wegen Feuchtigkeitsausdehnung aufgrund des kälteren Wassers nicht anheben lassen. Ausser mit dem Geissfuss, aber da ist Klaus noch dagegen.) Also haben wir mit dem Mietauto ein paar der Weingüter besucht und sind so auch hier in der Kapregion ziemlich viel herumgekommen. Diese Güter sind wunderbar gemacht und total auf Besucher (Restaurant mit Spitzenküche, Gründungsgschichte, Weindegustieren und Einkaufen) ausgerichtet. Viele haben eine gut 250-jährige Geschichte. Von dem grössten, barock-edlen und prestigereichen Vergelegen (sprich Verchelechen, rauh, kapholländisch) über Dornier mit der Verbindung alt-modern-maurisch-orientalisch zu l'Avenir mit ultrareduziertem Farb- und Formkonzept, Yonder Hill als kleinem und bescheidenem Gut ganz in Stadtnähe bis zu Delheim als auch sehr altem, eher ländlich-traditionell gebliebenem haben uns alle sehr gut gefallen. Superbe Lagen auf Hügeln, hinter Bergkuppen oder in kleinen Tälern, sehr schön dekoriert, sehr besucherfreundlich eingerichtet und mit kompetentem Personal. Dazu wunderschöne Park- oder Gartenanlagen, eine Wohltat für Augen und Ohren. Die alte Welt, nachkolonialistisch, europäisch verwurzelt.
Kapstadt ist ein Erlebnis für sich. Da ist die relativ neue, glamouröse, touristische Waterfront, d.h. eine Flanier-, Einkaufs- und Vergnügungsmeile rund um die erweiterten Hafenbecken. Da ist die Kulisse der relativ alten Gesteinsformation des Tafelbergs. Da gibt es die fantastischsten Museen, die einen Besuch wert wären. Da gibt es 200jährige kapholländische Giebelhäuschen und stuckverzierte viktorianische Gebäude. Schön renoviert und zweigeschossig, überall in der Stadt verteilt. Hebt man den Blick, so wandert er 30 Stockwerke an modernsten Glaspalästen und anderen architektonischen Wunderwerken hoch. Wirklich hässlich und unpassend wirkte es auf uns nicht. Ich finde, bei uns zuhause gibt es im näheren Umfeld viel die mieseren Bausünden und pseudo-individualistischen Bauherrenstile. Vielleicht bin ich hier aber dem Ausland und der faszinierenden Fremde gegenüber einfach nur toleranter? In Kapstadt ist es einfach richtig: richtig modern, richtig gross, richtig historisch, richtig speziell. Richtig alte und neue Welt, ein Konglomerat. (In Kapstadt war auch das richtig wohlorganisierte Departement of Home Affairs mit dem richtig guten Erlebnis der Visaverlängerung ...). Auch für mich ist diese Stadt jedenfalls einen weiteren Besuch wert; Paris oder London lassen sich auch nicht in 4 Tagen "machen".
Townships sind die Kehrseite der Medaille von Kapstadt und dem alten Apartheidstaat. Dieses Kapitel mit Umsiedlungen und Enteignungen und Aussperrungen und willkürlichen Rasseausweisen und totaler Entwurzelung und Entfremdung aller nichtweissen Bevölkerungsgruppen ist viel zu kompliziert und langdauernd, als dass ich es hier zusammenfassen könnte. Lest es selber in Geschichtsbüchern oder Nachschlagewerken nach. Wir haben dann eine Townshiptour gebucht. Der Veranstalter sieht es als Aufklärungsarbeit, "eye-opener", die andere Seite von Kapstadt für Touristen an. Die Führer kommen selber aus den Townships, kennen die Leute und wissen viel aus erster Hand zu erzählen, stehen offen für unsere Fragen. Meine anfängliche Befürchtung, das sei eine voyeuristische Besichtigung von menschlichem Elend, hat sich nicht bewahrheitet. Wir wurden herzlich begrüsst und gerne gesehen. Die Bewohner schätzen das Interesse und ein Teil der Einnahmen geht auch in Townshipprojekte. Mich würde interessieren, ob ausser Touristen auch weisse Südafrikaner diese Gelegenheit nutzen, leider habe ich vergessen danach zu fragen. Schaut euch unsere Fotos an. Wir haben bei jedem Bild um Erlaubnis gefragt und keine einzige abschlägige Antwort bekommen. Nur noch soviel: im Innern der Häuschen oder Baracken sah ich Wohnwände und Polstergruppen mit Nippes und Zierdeckeli, alles im Stil von unseren Brockenhausinventaren. Auch hier versuchen die Bewohner sich schön einzurichten. Auch praktisch: es gab viele Gefrier- und Kühlschränke (fast food lässt grüssen). Auch modern: in ein paar Wohnzimmern lief ein nicht zu kleiner TV. Strom, zum teil gratis (auch das trägt zu einem kleinen Teil zum Stromversorgungsengpass bei) haben alle, fliessendes Wasser kaum jemand. Was wirklich fehlt ist der Platz für diese Familien und - unglaublich für uns - sanitäre Einrichtungen. Es funktioniert mit dem Kübelsystem! Die neu errichteten Schwarzensiedlungen mit gemauerten Einheitshäuschen (es sieht leider wie ein riesiges Kasernenareal aus) sollen WC mit Spülung und Dusche haben. Ein bisschen grösser sind sie auch. Die illegalen Baracken haben etwa die Grösse von einem Schrebergartenhäuschen bei uns und sind Wohn- und Schlafraum für bis zu 10 Menschen!
Blicke ich als Tourist auf die eine Seite, sehe ich Südafrika sauber, funktionierend, im Moment für Eurowährung sehr billig, sämtliche Güter und Produkte sind erhältlich, alles ist beschildert, grosszügig, stylische Bekleidung und Frisur, viele dicke 4x4 Karren, adrette Häuschen und an gewissen Orten am Laufmeter Millionärsvillen mit riesigem Umschwung, Zäune und Stacheldraht allüberall. Schaue ich auf die andere Seite, bin ich mitten in Afrika. Elend, schmuddelig, einfachste Verhältnisse, eng, Schrottautos, abgetragene bunt zusammengewürfelte Kleidungsstücke, zusammengepfercht in illegalen Bretter- und Blechbaracken ohne jede funktionierende sanitäre Einrichtung, AIDS Pulverfass, Spielplätze und Wohnviertel von Abfall übersät, desorganisiert, Zäune und Stacheldraht allüberall.
Neue Welt, alte Welt? Land der Kontraste. Die Weissen sind sehr pessimistisch, sehen den wirtschaftlichen Verfall und politischen Niedergang, die steigende Kriminalität, viele wollen auswandern. Die Schwarzen sind noch hoffnungsvoll, versuchen durchzukommen und ihren Lebensstandard zu verbessern, sie können ja auch gar nicht abhauen. Von den Nachbarländern her kommen auch immer mehr noch ärmere: Asylanten, Gastarbeiter, Kriminelle. Nelson Mandela ist immer noch die alles umfassende und einzige Klammer, die dieses Land zusammenhält. Seine moralische Integrität, Bescheidenheit und Grossherzigkeit ermöglichten den unblutigen Übergang. Alle haben Angst, wie es nach seinem Tod weitergehen wird.
Sicher geht es den Schwarzen und Farbigen und Mischlingen hier viel besser als den meisten andern Afrikanern. Meines Wissens muss hier im Gegensatz zu Madagaskar niemand verhungern und die Schulbildung für alle ist so ziemlich gewährleistet. Südafrika hat Spitzenmedizin und Forschung, Ressourcen, das touristische Potential wird genutzt, es ist ein Schwellenland. Aber die Bewohner eines Unterstandes in Eritrea oder eines Schlammslums in Madagaskar sehen in ihrem Dorf oder Tal nur dieses eine. Hier braucht man sich nur umzudrehen und sieht den Unterschied zwischen arm und reich, zwischen übervorteilten und begünstigten auf Schritt und Tritt. Schwarz und Weiss, Kontraste.

 

20. März / Th & Ju

Motor ist wieder eingebaut, Klaus ist zurück aus Madagaskar und wir wissen jetzt, dass wir die Reise wie geplant weitermachen.
Julia und ich waren ein paar Tage in Kapstadt. Unter anderem mussten wir unsere Aufenthaltsbewilligung erneuern. Bei der Einreise haben wir eine solche bekommen, die 3 Monate gültig ist. Jetzt sind wir aber schon bald so lange hier und somit mussten wir zu den Behörden, genauer zur Abteilung Home Affairs. Dort waren wir, wie nicht anders zu erwarten war, nicht die einzigen. Also mal anstehen - kurze Schlange - nach 10 Minuten wissen wir: 2. Stock. Also zweiter Stock und da gibts sogar Schilder, die uns anzeigen, welche Schlange zu unserem Anliegen passt. Nach einer guten Stunde bekommen wir dann je ein Formular und eine Liste mit den Bedingungen in die Hand gedrückt. Wir sollten, unter anderem,  einen Bankauszug bringen, woraus ersichtlich ist, dass wir genügend Kohle haben, um uns für weitere 3 Monate zu versorgen. Aber woher sollen wir einen solchen nehmen? Nach langem Hin und Her geht es auch mit Bargeld vorweisen. Also Formulare ausfüllen und dann in die nächste Schlange, diesmal allerdings sitzend. Je ein Buch hatten wir wohlweislich dabei. Julia 'belegt' den Warteplatz und füllt die Formulare aus und ich gehe die Bankomaten melken.
Nach langer, langer Zeit sind wir zuvorderst am Schalter. Die Dame dort verabschiedet sich und sagt, dass bald ihre Ablösung kommen wird. So nach einer Viertelstunde kommt die dann auch. Nein, sagt der weisse Herr, ohne Bankauszug ist nichts zu machen. Wir insistieren, er geht den andern von vorhin fragen, dann geht es doch. Dann kopiert er unsere Unterlagen, unsere Pässe, usw. Dann müssen wir noch in einem kurzen Schreiben darlegen, warum wir noch länger bleiben wollen: Wetter, defekter Motor, ...  Er kontrolliert nochmals die Pässe und die mittlerweile zu einem Dossier angewachsenen Kopien. Endlich ist er zufrieden. Wir könnten in drei Tagen wieder kommen. Das ist wohl ein Witz. Er könne nicht entscheiden, ob wir die Permit bekommen. Das mache der Supervisor. Normalerweise dauere es zwei, drei Wochen. Wir wollen den Supervisor sprechen. Der weisse Herr verschwindet. Nach langer Zeit kommt er wieder, sagt, dass es doch heute gehe und will Kohle sehen. Nach gut fünf Stunden haben wir unsere Pässe gestempelt wieder und dürfen jetzt nochmals drei Monate bleiben. Zermürbendes Warten, ohne WC oder Verpflegung, ausser man ist eben zu zweit und kann sich abwechseln, immer wieder die bange Frage, was wohl als nächstes komme. Schlussendlich muss man sagen, dass wir, bzw.die Behörden ;-) in unserem Fall extrem effizient waren, denn solche Sachen erledigen sich in der Regel nicht an einem Tag. Schlussfolgerung von Julia: wenn du deinen Arsch mal zuvorderst in einer Schlange stehen hast, auf keinen Fall mehr weichen. Logischerweise hat unser Beharrungsvermögen nicht viel zum Vorankommen der hinter uns Wartenden beigetragen.
Am Sonntag waren wir im Botanischen Garten in Kirstenbosch, auf der Rückseite des Tafelbergs, am Montag bei Home Affairs, am Dienstag  auf einer Tour in den Townships, wo man ein wenig die andere Seite von Südafrika gesehen hat und dann am Mittwoch nochmals an der Waterfront und zurück nach Gordon's Bay ging es mit dem Metrozug.
Hier bläst der Wind wieder wie verrückt und wir sind langsam froh, ein Stück weiter zu kommen. Alle sagen uns, dass es jetzt dann langsam kälter wird und es hier im Juni durchaus schneien kann. Sobald das Wetter es zulässt, brechen wir also auf Richtung Norden, wo es wieder wärmer werden soll. Wir hoffen, das Kap der Guten Hoffnung, das wir per Mietauto und zu Fuss schon besichtigt haben, bei guter Sicht zu passieren. Das nächste Ziel ist die Soldanah Bay, ca. 100 km nördlich von Kapstadt. Und dann geht es dann weiter nach Namibia.

 

10. März / Ju

Impressionen

Thomas hockt in seinen ölverschmierten Arbeitskleidern im leeren Motorraum unten und zieht mit Pipette und Lumpen das ausgeflossene Gemisch aus Kühlwasser und Altöl ab. Alle möglichen nicht mehr gebrauchten Behältnisse, Cola-, Saft- und Milchpetflaschen, füllen sich mit der schwarzen Brühe. Entsorgen werden wir sie dann wahrscheinlich einmal mehr im normalen Kehricht. Mit Abfalltrennung und Recycling ist es hier nicht sehr weit her, jedenfalls haben wir ausser einmal einem Glascontainer nichts diesbezüglich gesehen. Wir werden sicher die Mechaniker noch danach fragen. Das "Baby", also der Motor, ist ja nun weg. Bin gespannt, wie lange die Reparatur dauern wird, ob die angekündigten zwei Wochen ausreichen. Weg ist auch unser Skipper, aber nicht in Reparatur, sondern um seinen nächsten Lebensabschnitt zu organisieren. Das heisst, wir haben die Wahoo für uns allein - und das geniessen wir ausgiebig. Wir haben sozusagen "Ferien". Gestern Sonntag hatten wir schon wieder 2 Lobster geschenkt erhalten! Am Wochenende ist bei schönem Wetter in diesem kleinen Hafen mit dem Fischer- und Anglerclub, bei denen wir einquartiert sind, nämlich der Teufel los. Nicht nur werden viele der sonst einfach parkierten Boote losgemacht und rausgefahen, es werden noch viel mehr v.a. kleinere Motorboote mit den 4x4 Wagen herangekarrt, über den Slip zu Wasser gelassen und kaum an uns vorbei wird mit Vollgas losgefräst. Die Wellen schwappen und klopfen gegen unseren Stahlrumpf, Motoren dröhnen und die Sonnenbrillen und -käppi werden zurechtgerückt. Es ist aber weniger schrecklich als lustig. Wir kommen aus dem Winken gar nicht mehr heraus. Denn von Boot zu Boot wird eigentlich immer gegrüsst. Manchmal kommt jemand näher heran und fragt, woher, wohin und wie's gefällt. So hatte eben an diesem wie am letzten Sonntag ein Boot nochmals umgedreht und uns gefragt, ob wir crayfish wollten. Natürlich wollten wir, Thomas steht ja auf diese Leckerbissen. Beim ersten Mal mussten wir allerdings noch schnell fragen, wie man denn diese noch lebenden Dinger eigentlich am schnellsten tötet und wie zubereitet! Wir hatten ja nicht gross Ahnung, im Restaurant kriegt man sie gegen teures Geld serviert. Hoffentlich war der Kessel voll Süsswasser die 'humanste' Methode: so sollen sie ersticken. Aber das Totschlagen der Fische erscheint mir dann doch schneller. Jedenfalls schmeckten sie laut Thomas gegrillt und gekocht sehr gut, viel besser als im madagassischen Restaurant. Zum jetzigen Zeitpunkt dürfen nur am Wochenende und nur pro Person mit gültiger Fanglizenz 4 Lobster herausgefischt werden. Den Kontrolleur mit Messlatte und Tabellen haben wir gesehen. Er kontrolliert jedes eingehende Boot auf gültige Lizenz und Fang. Da wir direkt am Moleneingang am Ende des Quais liegen, d.h. einerseits als erste im Blickfeld der hereinkommenden Freizeitfischer und zweitens am weitesten entfernt vom Kontolleur, kommt der eine oder andere auf die spontane Idee, uns die überzähligen, also eigentlich illegalen Lobster anzubieten. Mit diesen scharfen Regeln möchten sie offenbar erreichen, dass der Bestand erhalten bleibt. Denn wenn ich pro Person hochrechne, die gestern an uns vorbeigeschippert sind mit den typischen crayfish-Netzen an Bord, dann müssen das mehrere Hundert Lobster gewesen sein. Beim Anglerclub wurde die Fischbeute gewogen und dann in die 4x4 verladen. Da waren einige grosse dabei: Gelbflossenthunfische von 25, 27, sogar 34 kg. Sie werden als Sushi an die Restaurants verkauft. Trophäenfotos wurden allerdings keine gemacht, offenbar wurden keine Rekorde gebrochen. Wenn ich diese Art Fotos in den Jacht- oder Angelclubs betrachte, habe ich schon Mitleid mit den Kreaturen. So imponierend grosse und mächtige Fische, dem Ozean entrissen. Aber Thomas meint, zu Recht, wir fischten ja schliesslich auch und freuten uns über jeden Fang.

In diesem Hafenbecken tummelt sich einmal mehr ein einzelner Seelöwe. Er macht seine Spargimenter, indem er Flossen und Bauch in der Sonne wärmt, den ein- und ausfahrenden Booten hinterherschwimmt und sich im Kielwasser tummelt. Und am liebsten bettelt er um Fisch. Dabei hopst er fast über die recht niedrigen Seitenwände der Boote hinein, denn scheu ist er nicht, dafür clever. Er lässt sich auch nicht von Brotbrocken täuschen, das habe ich ausprobiert. Die Hobbyangler an der Quaimauer werfen ihm ab und zu was zu, dann schmeisst er sich nach hinten, wirft einen kurzen Blick auf die Eintauchstelle der Beute - und dann schiesst er unter Wasser los wie ein Pfeil. Und schon ist er wieder beim Fischer am Betteln. In Mossel Bay gab es ja auch solche Seals. Dort waren sie aber zu viert und deutlich grösser als der hier. Es wurde uns gesagt, dass jene vier ein "old boy's club" seien, also von jüngeren Bullen verjagte alte Kerle, die nun in sicherer Distanz zu den Haien in den Hafenbecken lebten. Wenn es ganz schlechtes Wetter ist, also ein paar Stunden regnet, dann lässt sich kein Angler auf der Quaimauer blicken. Im Normalfall aber sehen wir uns von sicher 20 und am Wochenende bis zu 50 Leuten beobachtet, die ausdauernd ihre Angeln ins Wasser halten. Es sind mehrheitlich Schwarze, aber auch ganze Familien mit Kind und Kegel. Da hier fast permanent ein starker Wind weht, das Westkap scheint dafür berüchtigt zu sein!, haben solche starke Böen die Fischköder beim Rauswerfen auch schon auf unser Deck statt ins Wasser abgelenkt. An jedem Köder hängt aber auch ein Bleigewicht oder eine alte Autozündkerze oder sowas in der Art, und diese Dinger knallen dann am liebsten am Sonntagmorgen in der Früh bei uns auf. (Okay, das ist nur einmal genau so passiert ...) Nach dem ersten Schreck wissen nun wenigstens, was es ist, auch die Nylonschnurknäuel in unseren Seilen sprechen von Fehlwürfen. Hoffen wir einfach, dass nicht noch eine Luke eingeschlagen wird. Denn die Angler wären dann sicher schneller weg als wir vom Schiff runter.

 

6. März / Th

In den letzten Tagen haben wir noch ein paar Ausfahrten mit dem Auto gemacht: Gegend anschauen, Weingüter besuchen, Wein probieren, Wein kaufen, ... Das Wetter ist eigentlich immer schön und sommerlich, zum Teil aber sehr windig.
Am Samstag Abend bekamen wir  Besuch von Jelle und Fiona (diesmal nicht zufällig). Wir haben gut gegessen und viel geplaudert. Am Samstag morgen hatten wir nämlich von Einheimischen zwei Langusten geschenkt bekommen. Von denen gibt es hier offensichtlich jede Menge. Und so haben wir zum ersten Mal auf unserer Reise Langusten grilliert.
Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir dann am Sonntag zu viert nochmals losgefahren, über Stellenbosch nach Kapstadt, dort an den Strand und über die spektakuläre Küstenstrasse des Chapman's Peak wieder nach Simon's Town. Unterwegs haben wir noch das Schweizer Boot Titom besucht, welches in der Hout Bay liegt.
Gestern ist dann endlich der Mechaniker gekommen, um unseren Motor zu überprüfen. Er läuft immer noch nicht so richtig rund. Nach Messung der Kompression in allen Zylindern stellte sich heraus, dass mit einem Zylinder etwas faul ist. Der Mech meinte, entweder die Ventile oder die Kolbenringe. Um das zu überprüfen, musste der Zylinderkopf ausgebaut werden, was heute morgen geschah. Und dann stellte sich, oh Schreck, heraus, dass der Zylinderkopf und der Zylinder korrodiert sind, wahrscheinlich von eingedrungenem Kühlwasser durch Haarrisse, verursacht durch eine frühere Überhitzung des Motors. Das heisst nun: Motor ausbauen und zerlegen, Zylinderkopf ersetzen, Büchsen in den Zylindern ersetzen, neue Kolbenringe, Motor wieder zusammenbauen und einbauen. Schöne Bescherung.

 

1. März / Th

Eine neue Bilderserie liegt bereit...

 

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